Golf & Natur: Das können Golfer tun

Das Klima verändert sich. Experten, wie Marc Biber, Leiter des Ressorts Umwelt & Platzpflege im Deutschen Golf-Verband, sprechen von großen Herausforderungen für die Golfclubs. Der Diplom-Agraringenieur berichtet aber auch von mehrheitlich positiven Ökobilanzen der Golfanlagen. In Deutschland ist die nachhaltige Pflege der Plätze ein zentrales Anliegen der Verbände – im Mittelpunkt steht dabei das Qualitätsmanagement GOLF&NATUR. Biber spricht beim Alpengolfer über das DGV-Umweltprogramm in Theorie und Praxis. 

Klimaschutz und nochmal Klimaschutz. Wie sehr ist dieses Thema inzwischen auch täglicher Wegbegleiter der Golfklubs?

Marc Biber: Natürlich muss bei diesem Thema auch der Sport mitwirken. Einerseits, weil hier die Fahrt zum Golfklub oder die Golfreise eine große Rolle spielen. Andererseits werden für den Betrieb von Golfanlagen beispielsweise bei der Pflege und beim Bereitstellen von Warmwasser im Clubhaus überwiegend fossile Brennstoffe eingesetzt. Bei Letzterem haben die Betreiber von Golfanlagen angefangen, Wärme und Strom umweltfreundlich über Blockheizkraftwerke zu erzeugen und Photovoltaik-Anlagen auf die meist reichlich vorhandenen Dachflächen zu montieren. In der Golfplatzpflege werden zunehmend sparsame Mähmaschinen auf Hybridbasis und elektrisch angetriebene Pflegegeräte eingesetzt.

Ordnungsgemäß, umweltbewusst und nachhaltig

Seit über 20 Jahren verfolgt der Deutsche Golf Verband den Gedanken eines Umweltprogramms, seit mehr als zehn Jahren gibt es GOLF&NATUR. Haben sich in all der Zeit auch hier die Anforderungen verändert?

Biber: Es hat sich in den letzten Jahren viel im gesellschaftlichen Diskurs und in der Umweltgesetzgebung verändert. Die Verantwortung für Clubvorstände und Geschäftsführer ist gewachsen. Wir haben immer versucht, die an GOLF&NATUR teilnehmenden Golfanlagen in allen Fragen des Pflegemanagements optimal zu betreuen, mit dem Ziel, dass der Golfbetrieb ordnungsgemäß, umweltbewusst und nachhaltig läuft. Für Verantwortungsträger resultiert aus einer konsequenten Umsetzung der GOLF&NATUR-Maßnahmen eine höhere Rechtssicherheit, weil die gesetzlichen Auflagen beispielsweise bei der Verkehrssicherungspflicht, im Umweltschutz und bei der Arbeitssicherheit erfüllt werden. 

"Kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf"

Es gibt in Deutschland knapp 730 Golfanlagen, aber nicht einmal 200 sind zertifiziert. Woran hakt‘s?

Biber: Kosten, Engagement und so etwas wie Prüfungsangst. Die Vorarbeiten für unser Umwelt- und Qualitätsmanagementprogramm sind zeitaufwendig, bei der Zertifizierung entstehen Kosten und die Verantwortungsträger scheuen teilweise den Begutachtungsprozess. Dabei wird oft vergessen, dass eine Nachhaltigkeitsagenda kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf ist, an dessen Ende man aber fit für die Herausforderungen der Zukunft ist.

 

Wie können sich Golfspieler denn in der Praxis umweltfreundlicher verhalten?

Biber: Bei geschätzten 1,3 Millionen Golfern in Deutschland, Österreich und der Schweiz können auch Kleinigkeiten einen spürbaren Umweltentlastungseffekt bringen: Wiederverwendbare Wasserflaschen zum Beispiel. Die Gemeinschaft der Golfspieler kann mit etwas mehr Umsicht einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Fotos: Schöttl/alpengolfer.de, Stefan von Stengel