Auf dem geschichtsträchtigen Old Course in St. Andrews habe ich schon gespielt, vor der beeindruckenden Kulisse der Schweizer Berge auf dem 18-Loch-Kurs in Crans Montana auch. Ich habe mich auf den Grüns vor den Toren Malmös versucht und jetzt stehe ich am Abschlag des legendären siebten Lochs von Pebble Beach in Kalifornien. Es ist windstill, die Sonne scheint. 97 Meter liegen zwischen Abschlag und Grün. Um mich herum Steinklippen, Sandbunker und Meer. Zugegeben: All diese Erlebnisse waren bislang nur virtuell.
Die Sonne Kaliforniens scheint gerade auch nur auf der Leinwand vor mir. Draußen ist es nasskalt und neblig. Seit Kurzem gibt es in Neu-Ulm die Möglichkeit an einem Golf-Simulator Plätze zu spielen, die man sich als Normalsterblicher kaum leisten kann. Der nette Nebeneffekt: Ich spare mehr als 600 Dollar Greenfee, denn der echte Parcours in den USA zählt zwar zu den schönsten, aber auch zu den teuersten Golfplätzen der Welt. Aber bringt ein Simulator auch den nötigen Effekt?
Drei Trackman-Simulatoren bei "Holy Tee" in Neu-Ulm
Als Trainingsgerät ist er ideal und mittlerweile vielerorts ein fester Bestandteil des Wintertrainings. Kaum ein Segment des Golfsports hat sich in den vergangenen Jahren derart verbessert und weiterentwickelt. Bei „Holy Tee“ in Neu-Ulm bauen sie auf den sogenannten Trackman. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Dänemark ist weltweit führend in der Golftechnologie. Mehrere Sensoren messen und bewerten den Schwung innerhalb von Millisekunden nach verschiedenen Kriterien, etwa nach Geschwindigkeit des Schlägers und des Balls, nach Spin, Abflug und Landewinkel, Kurve und Höhe sowie Länge des Schlags. Dazu kommt natürlich ein entsprechender Unterhaltungswert. Der spielt auch für Walerij Karl und Lothar Pfähler eine große Rolle.
Die beiden sind die Gesichter hinter „Holy Tee“. Karl ist eigentlich mit einem eigenen Beratungsunternehmen in der IT-Branche tätig, Pfähler führt eine Spedition. Beide sind aber schon seit vielen Jahren selbst passionierte Golfer und haben sich mit der Indoor-Golfanlage im Pfaffenweg einen persönlichen Traum verwirklicht. „Wir wollen zeigen, dass Golf Spaß macht und lässig ist“, sagt Karl. Offen ist das Angebot für Golferinnen und Golfer aller Spielstärken und Altersklassen. Anders als auf einem echten Golfplatz sind die Bedingungen immer konstant. Durch die Wohnzimmer-Atmosphäre und den Lounge-Bereich soll auch die jüngere Generation angesprochen werden. Dabei stellen die Betreiber klar: Es sind weder Platzreife, noch eine Mitgliedschaft in einem Golfclub nötig, um in einer der drei Simulator-Boxen bei „Holy Tee“ abzuschlagen.
Die Anlage in Neu-Ulm wird autonom betrieben
Das Besondere an der Anlage: Sie wird autonom betrieben, ohne Personal. Gebucht werden die Spielzeiten im Voraus stundenweise über ein eigenes Onlinesystem. Die Preise sind gestaffelt nach Tageszeiten, Werktagen, Wochenenden und Feiertagen und bewegen sich zwischen 35 und 40 Euro pro Stunde für die Abschlagbox – unabhängig von der Anzahl der Spielerinnen und Spieler. In Betrieb sind die Simulatoren von Montag bis Sonntag jeweils von 10 bis 22 Uhr. „Um 9 Uhr morgens fahren sich die angeschlossenen Rechner selbstständig hoch. Danach ist alles eingestellt und eigentlich selbsterklärend“, sagt Walerij Karl. Auf Wunsch kann bei der Buchung eine persönliche Einweisung vor Ort hinzugefügt werden. Getränke gibt es in Selbstbedienung aus einem Automaten. Wer mag, darf sich eigene Verpflegung mitbringen. Pfähler sagt: „Wir wollen, dass sich die Golferinnen und Golfer bei uns so wohl wie möglich fühlen.“ Hier kann man auch in Jogginghose spielen, das stört niemanden.
Über 500 Golfplätze oder lustige Fungames
An den Simulatoren gibt es verschiedene Spiel-Möglichkeiten – vom Training auf der virtuellen Übungsanlage über die 18-Loch-Runde auf einem von weltweit über 500 realistisch dargestellten Golfplätzen bis zum Online-Wettstreit mit anderen Trackman-Nutzern. Für den Einstieg oder die lustige Golfparty mit Familie und Kumpels sind launige Spielchen auswählbar. Karl sagt: „Wir wollen mit unserer Anlage den Indoor-Golfsport revolutionieren.“ Sie sei allerdings kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zum klassischen Golfspiel. Vor allem im Winter. Letztlich gilt wie beim Fußball: Die Wahrheit liegt auf dem Platz.
Fotos: Alexander Kaya
