Mehr als eine Schönheits-OP

Der GC Bad Wörishofen zählt zu den traditionsreichen bayerischen Golfklubs. 1980 wurde der Verein im Unterallgäu gegründet. In den vergangenen fast 40 Jahren wurde kaum etwas an der 18-Loch-Anlage verändert. Jetzt rollen die Bagger an. In den kommenden zweieinhalb Jahren wird der Platz abschnittsweise zur Baustelle, alle Grüns werden umgestaltet, die Abschläge neu errichtet und Bunker saniert. Etwa 1,8 Millionen Euro kostet das Großprojekt. Was dahinter steckt.

Die dicken, uralten Eichen erzählen hier auf der Anlage des Golfclubs Bad Wörishofen in Rieden ihre ganz eigene Geschichte. Sie wiesen den Weg in Zeiten, in denen es noch Postkutschen gab und deren Route mitten durch das Allgäu führte. Ganz so alt ist der 18-Loch-Platz des Klubs freilich nicht. 1980 wurde dieser eröffnet, parkähnlich angelegt in den Wertachauen entlang des Schlingener Sees. In den vergangenen fast 40 Jahren wurde kaum etwas verändert. Jetzt rollen die Bagger an. „Diese Arbeiten sind dringend notwendig geworden“, sagt Klubpräsident Peter Ried. In einer außerordentlichen Versammlung wurden nun auch die Mitglieder, knapp 830 hat der Verein derzeit, detailliert über die Umbaupläne informiert. Denn Einschränkungen, da redet niemand um den heißen Brei, wird es zwangsläufig ab August 2018 geben. Erst ab dem Frühjahr 2020 wird der Platz wohl wieder als 18-Loch-Anlage bespielbar sein. Ried betont aber auch: „Geschlossen wird der Golfplatz deshalb nicht. Wir werden während der gesamten Bauphase immer mindestens neun Löcher geöffnet haben, die allesamt außerhalb der Baustelle liegen.“ Die Mitgliederversammlung stimmte dem Projekt mit 98 Prozent der abgegebenen Stimmen zu.

Der Teufel steckt im Detail

Der Teufel steckt in Rieden im Detail, in diesem Fall im Untergrund. Als Ergebnis eines Bodengutachtens wurden in der Rasentragschicht der Grüns sogenannter Black Layer festgestellt. Das heißt: Das Wasser sickert weder nach unten, noch kann es nach oben entweichen, auch die Wurzeln können diese Sperrschicht nicht durchdringen. „Dadurch entsteht Staunässe, wir bekommen Moos auf den Grüns. Von heute auf morgen könnte das Gras absterben. Das wollen wir natürlich vermeiden“, erklärt Ried. Der unverwechselbare Charakter des Platzes, der beim Umweltprogramm „Golf & Natur“ vom Deutschen Golfverband mit Silber zertifiziert wurde, bleibe erhalten, verspricht der Präsident. Lediglich an vier Stellen wird in den gewohnten Spielverlauf eingegriffen. Die bisherigen Bahnen 10 und 11 sollen zu einem längeren Loch zusammengeführt werden, dafür entsteht an andere Stelle eine neue, kürzere Bahn – mit direktem Blick auf den Stausee. „Man schlägt in Richtung des Sees ab und glaubt tatsächlich, dass dieser auch ins Spiel kommt. Ist aber nicht so. Das wird ein tolles Erlebnis“, meint Klubmanager Christoph Hirschvogel. Die darauffolgende Spielbahn wird dadurch kürzer, von einem Par 5 zu einem Par 4. Außerdem wurde das Grün des dritten Lochs bereits an anderer Stelle angelegt. „Das macht diese Bahn ein bisschen schwerer. Aber generell haben wir bei den Planungen darauf geschaut, dass unser Platz durch den Umbau nicht zu schwer wird“, sagt Hirschvogel weiter.

Drei Bauabschnitte

In drei Bauabschnitten wird auf der Anlage gearbeitet. Die erste Phase an den Bahnen 3 und 18 ist schon in vollem Gange. Im August 2018 werden die ersten neun Löcher komplett für den Umbau gesperrt, ab August 2019 die zweiten neun. Für Mitglieder und Gäste hat das eine weitere Auswirkung: „Wir werden vorübergehend Abschlagszeiten einführen und so einen geordneten Spielablauf sicherstellen“, erklärt Ried. Die Kosten für die umfassende Renovierung des Platzes, die über eine Schönheits-OP weit hinausgeht, liegen bei etwa 1,8 Millionen Euro. Ried sagt: „Trotzdem werden wir von unseren Mitgliedern weder eine Sonderumlage kassieren, noch die Beiträge erhöhen.“

Fotos: Stephan Schöttl, Christoph Hirschvogel