Vier Tage Ausnahmezustand

Ralf Schwarz ist zwar erst 48 Jahre alt, zählt beim Golfclub Waldegg-Wiggensbach aber schon zur Kategorie Urgesteine. Er war bereits als Teenager in den 1980er Jahren dabei, 1991 hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und mittlerweile ist er als Klubmanager und Trainer der Chef der 27-Loch-Anlage. Vom Mittwoch bis zum kommenden Samstag herrscht auf dem Platz im Oberallgäu wieder einmal der Ausnahmezustand: Zum 16. Mal finden die Wiggensbach Open statt, ein einmaliges Turnierformat in der Region.

Bei den meisten Golfanlagen sind die Klubmeisterschaften der sportliche Höhepunkt einer Saison. In Wiggensbach ist es die Open-Woche. Was macht diese vier Tage so attraktiv?

 

Schwarz: Naja, bei den Klubmeisterschaften spielen im Normalfall nur die Besten mit, es geht mit viel Ehrgeiz zur Sache. Ich finde aber, dass das Handicap, quasi die messbare Spielstärke, im deutschsprachigen Raum völlig überbewertet wird. Die Wiggensbach Open sind daher eine Turnierwoche für alle, bei der auf dem Platz auch gelacht werden darf. Erst wird gespielt, danach zusammengesessen und im Festzelt gefeiert. Manchmal bis in die frühen Morgenstunden. Die Gäste kommen nicht nur aus dem Allgäu, sondern bis aus Frankfurt oder der Schweiz. Wir rechnen auch heuer wieder mit rund 400 Teilnehmern.

 

Man erzählt sich in Golferkreisen ja die verrücktesten Geschichten über diese Abende. Wo bleiben denn da die üblichen Klischees von Spießern mit Champagnergläsern?

 

Schwarz: Der Golfsport hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Auch jüngere Menschen sind fasziniert von dieser Sportart. Manche nehmen sich für die Wiggensbach Open eine ganze Woche Urlaub. Um auf die verrückten Geschichten zurückzukommen: Es gibt tatsächlich Teilnehmer, die neben der Golfausrüstung vorsorglich auch einen Schlafsack im Gepäck haben. Ich kenne sogar den einen oder anderen, der am nächsten Morgen schon im Klubhaus aufgewacht ist (lacht).

Von Mitgliedern für Mitglieder

Die Open verstehen sich seit Jahren als Turnier von Mitgliedern für Mitglieder. Was heißt das konkret?

 

Schwarz: Es sind nicht nur zwei, drei Helfer. Es stecken ganz viele Freiwillige dahinter. Für jeden der vier Tage gibt es einen Verantwortlichen, der mit seinem Team das entsprechende Turnier plant. Jeder lässt sich ein originelles Rahmenprogramm und ein spezielles Motto einfallen.

 

Was denn zum Beispiel?

 

Schwarz: Heuer gibt’s beispielsweise die „Golfkunst“ samt Ausstellung in unserer Kaminhalle oder die „Hüttengaudi“. In den vergangenen Jahren mussten neben besonderen Golf-Aufgaben wie dem Putten auf einem Bein auch Prüfungen aus der Allgäuer Heimat erledigt werden. Ich erinnere mich noch gut an einen richtig kniffligen Dialekttest auf der Runde. Da kamen sogar Einheimische ins Schleudern.

Der Ehrgeiz ist bei allen groß

Wie steht’s bei all der Geselligkeit um das sportliche Niveau der Turniere?

 

Schwarz: Oh, das ist gar nicht so schlecht. Der Ehrgeiz ist natürlich bei allen groß. Und in der Regel sind, falls sie keine Mannschaftseinsätze haben, auch unsere besten Spielerinnen und Spieler dabei. Um den Gesamtsieg zu holen, reicht nicht nur ein guter Tag. Da muss man konstant sein. Aber wer vier Tage hintereinander auf unserem Platz spielt, der kommt auch so ordentlich ins Schwitzen. Wir haben hier den höchsten Abschlag Deutschlands auf 1011 Metern und für eine 18-Loch-Runde ist man gut und gerne neun Kilometer unterwegs. Über die Höhenmeter brauchen wir erst gar nicht reden.

Fotos: Stephan Schöttl