Geburtstag unterm Gipfelkreuz

Waldsterben, Tschernobyl, Olympiaboykott, Friedensbewegung, der Beginn der Ära Kohl, Modern Talking und Neue Deutsche Welle. Die 1980er Jahre waren ein sehr ereignisreiches Jahrzehnt. Auch für den Golfsport in Deutschland. Bernhard Langer beispielsweise hat mit seinen ersten internationalen Erfolgen aufhorchen lassen. Und vielerorts wurden die ersten Golfanlagen gebaut, die ersten Klubs gegründet. Auch im Allgäu. Vor 30 Jahren, am 30. April 1988, etwa der GC Waldegg-Wiggensbach.

Vom Golfsport hatte damals in und um Kempten freilich kaum jemand eine richtige Vorstellung. Und auch in Wiggensbach war der Platz noch naturbelassen, das Grün holprig und schief. Doch mit der Gründung des Vereins kam die Wende: Ein altes Anwesen wurde zum Klubhaus umgebaut, inklusive Umkleide- und Waschräume sowie Sekretariat und Küche. Zudem startete man mit dem Bau eines neuen 18-Loch-Platzes. Auch Willi Müller hatte sich eingebracht. Der Landschaftsarchitekt erinnert sich noch ganz genau. „Es gab schon einen Vorentwurf der Spielbahnen. Diese Zeichnungen haben wir dann in entsprechende Pläne umgearbeitet“, erzählt er. Als Mann des Fachs unterstützte er die Gründer zudem in rechtlichen Dingen. Etwa beim Bauantrag, bei Auflagen für den Naturschutz und dem Flächennutzungsplan. Für Müller war dieses Engagement wegweisend. Zumindest im Privaten. Er sagt lachend: „Ich habe dadurch den Golfsport kennengelernt und angefangen, selbst zu spielen.“

Von den Greenkeepern gebaut

Die Golfanlage wurde in den Folgejahren von der eigenen Greenkeeper-Abteilung um Johann, Bernhard und Hansi Walser gebaut – mit der Vorgabe, Eingriffe in das Allgäuer Voralpengelände zu vermeiden. 1993 feierten sie in Wiggensbach die Eröffnung eines Golfplatzes mit hochalpinen Zügen. Der höchste Abschlag des Landes befindet sich dabei auf 1011 Meter, direkt neben einem Gipfelkreuz. Von 2006 bis 2008 wurde der Platz mit dem Bau des sogenannten Zugspitz-Kurses auf 27 Loch erweitert – nach dem Design des heutigen Klubmanagers Ralf Schwarz. Müller sagt: „Jede dieser 27 Bahnen hat ihren Reiz. Egal, ob es über einen Tobel geht oder von oben herab ins Tal. Ich mag vor allem das Panorama auf der Anlage.“



Im Kinderwagen über den Golfplatz

Bei den Müllers spielen mittlerweile alle begeistert Golf. Das, meint der 64-Jährige, sei aber auch kaum verwunderlich. Er erzählt: „Unser Sohn hat seine erste Runde auf dem Golfplatz schon im Kinderwagen gedreht. Wir haben ihn damals einfach mitgenommen auf den Platz.“ Noch immer schwingen sie ab und an zusammen die Schläger, wenn die Kinder zu Besuch in Wiggensbach sind. „Man hat auf diese Weise entspannt Zeit für gemeinsame Gespräche. Das ist doch toll“, sagt Müller.

 

Ohnehin habe er in den vergangenen 30 Jahren gemerkt, dass sich das Image des Golfsports in der Öffentlichkeit gewandelt hat. Vom Hobby der Reichen hin zum Freizeitvergnügen für die ganze Familie. „In Wiggensbach legen wir sowieso sehr viel Wert auf das Gesellige“, meint er. Der Turnierplan umfasst fast 50 Veranstaltungen im Jahr. Höhepunkt: Die „Wiggensbach Open“, eine Serie von vier Turnieren mit über 400 Teilnehmern an vier Tagen. Organisiert von Mitgliedern für Mitglieder. Lustig geht es dabei zu, zum Beispiel mit Wettmelken oder Roulette am Abschlag. Auch der 30. Geburtstag des Klubs wird gebührend gefeiert.