Warum wird man eigentlich ... Golf-Pro?

"Mach' Deine Leidenschaft zum Beruf." Mit dieser Aufforderung wirbt die PGA of Germany für ihre Ausbildung zum Professional. 144 junge Frauen und Männer gehen derzeit beim Dachverband der Berufsgolfer in Deutschland in die Lehre. Eine Lehre, die drei Jahre dauert und sogar berufsbegleitend absolviert werden kann. Doch um das Wie geht es dieses Mal nicht. Im Mittelpunkt steht die Frage: Warum entscheidet sich jemand für einen solchen Job? So wie Ken Gibson. Der 25-Jährige arbeitet als PGA-Assistent im Allgäu und ist im zweiten Jahr seiner Ausbildung.

Dass er später einmal mit Sport sein Geld verdienen will, war Ken Gibson schon recht früh klar. Allerdings träumte er damals noch von einer anderen Karriere. Von Ruhm und Ehre im Squashcourt. Talentiert war er, erfolgreich auch. Mit Deutschland wurde er sogar Team-Europameister - bis er aus gesundheitlichen Gründen passen musste. Zweimal wurde er schon in jungen Jahren an der Hüfte operiert. Für den großen Traum vom Profi-Sportler hat er aber weitergekämpft.

Und da war es rückblickend eine Art glückliche Fügung, dass ihn sein Opa in Australien eines Tages mit auf den Golfplatz nahm. Schläger in die Hand, erste Trainerstunde, große Begeisterung. So kurz und knapp könnte man Ken Gibsons Golf-Geschichte erzählen. Zehn Jahre später lacht er und schwärmt noch immer: "Es ist wie eine Sucht. Und es hört einfach nicht auf."

 

Bei einem weiteren Aufenthalt bei den Verwandten in Australien ist schließlich auch der Entschluss gereift, Golf auf professionelle Art und Weise zu betreiben. "In Australien hat dieser Sport natürlich einen ganz anderen Stellenwert", erzählt Gibson. Golf ist Schulsport - nicht als freiwillige Neigungsgruppe, sondern als eigenständiges Fach. Gibson: "In Perth beispielsweise gbt es über 50 Plätze und die Hälfte davon ist öffentlich. Du zahlst dort 20 Dollar für 18 Löcher und niemand will etwas von einer Platzreife wissen." Ein halbes Jahr hat er am anderen Ende der Welt seine Zelte aufgeschlagen. Trainiert, trainiert und trainiert. Sein Perfektionismus war sein Antrieb. Zum Teil hat Gibson zehn Stunden am Tag investiert, um für den Pre-Course der PGA of Germany gerüstet zu sein. Er betont aber auch: "Es hat mir immer Spaß gemacht und ich habe mich zu nichts gezwungen gefühlt."

"Ein 0815-Bürojob wäre überhaupt nichts für mich!"

Die Sache mit dem Spaß vermittelt er jetzt, zwei Jahre später, auch seinen ersten eigenen Kunden. "Wer keinen Spaß auf dem Platz mehr hat, hat sich für den falschen Sport entschieden", sagt der 25-Jährige. Für ihn, dazu steht er auch heute noch, war es eine goldrichtige Entscheidung. Das Spannendste an seiner Arbeit im Klub, sagt er, seien die vielen verschiedenen Charaktere der Golf-Schüler. Der eine, der jeden Tag besser werden will. Die andere, die Trainerstunden nimmt, weil sie der Mann bezahlt. Und schließlich derjenige, der einfach nur von seinen letzten Erlebnissen auf der Runde erzählen will. "Es gibt so viele verschiedene Schwünge, so viele verschiedene Ansatzpunkte, einen Fehler im System zu finden. Eintönig wird es bei der Arbeit als Golf-Pro nie", erzählt Gibson. Pitchen, Putten, Chippen, kurzes Spiel, lange Schläge, Nachwuchstraining und die wöchentliche Übungseinheiten mit den Senioren. Der Golf-Azubi meint: "Ich brauche den Kontakt zu anderen Menschen, bin gerne draußen an der frischen Luft. Ein 0815-Bürojob wäre überhaupt nichts für mich!"

Eines ist dem Allgäuer aber wichtig: Das eigene Golfspiel soll nicht unter dem Stress der Arbeit leiden. Gibson verbringt daher auch vor Dienstbeginn, nach Feierabend oder an freien Tagen viel Zeit auf dem Golfplatz. Anfangs, gesteht er, habe er auch mit dem Gedanken gespielt, es als Playing Professional zu versuchen. Das eine oder andere Pro-Am will er heuer spielen. Er weiß aber auch, dass die Anforderungen und der Druck auf einer europäischen Tour riesig sind: "Wenn man da nicht unter Par spielt, braucht man erst gar nicht anzutreten."

 

Ein Jahr war Gibson zweiter Mann im Trainerteam des Golfclubs Hellengerst im Oberallgäu, seit 2017 ist er im Golfpark Schloßgut Lenzfried in Kempten verantwortlich für das Training, Schnupper- und Platzreifekurse, für die vielen Turniere und den klubeigenen Shop. "Ich kann mich hier frei entfalten. Das finde ich klasse. Und mit der Firma Wilson habe ich zudem einen tollen Partner, der mich vor allem beim Equipment prima unterstützt", sagt er, packt seine Sachen und schreitet schnellen Schrittes hinauf zur Übungsanlage. Der nächste Schüler wartet.

Fotos: Stephan Schöttl