Swiss Golf Park: Bitte nachmachen!

Das ist was für die ganz Fleißigen: Im Swiss Golf Park, dem jüngsten Baby der House of Swiss Golf AG, kann rund um die Uhr trainiert werden, sieben Tage die Woche. Und die Anlage in Wädenswil, knapp 20 Minuten von Zürich entfernt, kann noch mehr. Mir hat das Konzept auf Anhieb gefallen. Keine teuren Aufnahmegebühren, keine exklusiven Mitgliedschaften. Einfach nur Golf. Wer will, der darf. Und mittendrin ein Allgäuer: Alexander Stohr spielt als PGA-Pro im Swiss Golf Park eine wichtige Rolle.

Raus aus dem heimatlichen Alltagstrott, in einem anderen Land leben und arbeiten. Alexander Stohr hat diesen Schritt gewagt. Seine Ausbildung zum professionellen Golftrainer hat der 35-Jährige im Golfresort Sonnenalp im Oberallgäu absolviert, in den vergangenen sieben Jahren arbeitete er im Kemptener Golfpark Schlossgut Lenzfried, zuletzt auch als Geschäftsführer. Vor gut einem Jahr hat er sich entschieden, dem Allgäu den Rücken zu kehren und in der Schweiz beruflich neu durchzustarten. Ein scheinbar attraktives Ziel: räumliche Nähe, gute Verdienstaussichten, niedrige Sprachbarriere. „Etwas Neues auszuprobieren, hat seinen Reiz. Ich habe aber schon in den ersten Tagen festgestellt, dass hier einiges anders läuft“, meint Stohr lachend. Bei der Ummeldung im Rathaus merkte er schnell, dass die bürokratischen Mühlen in der Schweiz anders mahlen – und beim ersten Einkauf in der Metzgerei legte er für 400 Gramm Fleisch 50 Franken, umgerechnet knapp 44 Euro, auf den Tisch. Mittlerweile ist er aber angekommen in der Wahl-Heimat. Dazu trägt auch die neue Arbeitsstelle bei: der Swiss Golf Park in Wädenswil am westlichen Ufer des Zürichsees. „Der Standort ist sensationell“, schwärmt Stohr, der sich dort gemeinsam mit Ralf Lehmann ums Sportliche kümmert. Auch Lehmann ist gebürtiger Schwabe, lebt schon seit zehn Jahren in der Schweiz.

Golfen sieben Tage die Woche rund um die Uhr

Eigentlich hätte in Wädenswil einmal ein 18-Loch-Golfplatz entstehen sollen, das lehnte die Mehrheit der Bürger aber in einem Volksentscheid ab. Die House of Swiss Golf AG übernahm die Anlage daraufhin von der Migros mit dem ehrgeizigen Ziel, die beste Übungsanlage im Großraum Zürich zu werden. Das Konzept ist schnell aufgegangen. Der Swiss Golf Park ist die einzige Driving Range in der Region, die Rasenabschläge hat, es gibt ein automatisches Tee-Up-System, das 365 Tage im Jahr einen 24-Stunden-Betrieb ermöglicht, und zwei Pros. Generell läuft vieles anders in Wädenswil, als es die Gäste gewohnt sind. Seit Januar 2018 haben die beiden Swiss PGA-Professionals das Gütesiegel einer Krankenkassenzertifizierung erfolgreich abgeschlossen.  Seitdem gibt es Golf dort quasi auf Rezept. Ist das nicht toll? Schweizer Krankenkassen unterstützen speziell gekennzeichnete Kurse. Ein Modell, das so was von nachahmenswert ist!

Stohr erklärt: „Rundherum gibt es eigentlich nur exklusive Golfklubs, die zum Teil noch hohe Aufnahmegebühren verlangen. Bei uns geht es hingegen in erster Linie darum, Spaß zu vermitteln und den Golfsport für jedermann zu ermöglichen. Eine Mitgliedsgebühr erheben wir nicht.“ Wer üben und spielen will, zahlt lediglich die Bälle aus dem Automaten. 26 Callaway-Kugeln kosten fünf Franken. "Die Spieler wissen das zu schätzen", sagt Stohr. Es gibt spezielle Veranstaltungen für verschiedene Zielgruppen – beispielsweise für Frauen, Anfänger, Junioren, Firmen und Vereine – und auf dem integrierten 3-Loch-Kurzplatz (Tagesgreenfee 15 CHF) dürfen die Trainer sogar die Platzreifeprüfung abnehmen. Das Besondere an diesen drei Löchern: Sie bieten neun Abschläge von Distanzen zwischen 50 und 110 Meter, Wasser, Rough und Biotope. Der Pro erklärt: "Damit kann man in einem Kurzspiel einen 9- bzw. 18-Loch-Platz simulieren." Das Konzept kommt vor allem bei Jungen und Junggebliebenen an. Stohr kümmert sich – selbst im Winter – um die Ausbildung des zahlreichen Golf-Nachwuchses.



Für Qualität wird hier auch gerne gezahlt

Stohrs Alltag hat sich dadurch verändert. Das liegt auch an den verschiedenen Charaktereigenschaften der Kunden. „Grundsätzlich gibt’s auf jedem Golfplatz jeden Charaktertypen. Vom aufgeschlossenen Golfer, der alles lernen will, bis zu dem, der alles anzweifelt, was man ihm sagt. Völlig egal, ob in Deutschland oder in der Schweiz“, erzählt der 35-Jährige. Und trotzdem gibt es einen großen Unterschied: Die Schweizer, sagt Stohr, hätten eine andere Wertschätzung. Auch dem Golfsport gegenüber. Der Oberallgäuer meint: „Die Leute hier sind in Sachen Preispolitik so erzogen, dass sie es gewohnt sind, für Qualität auch Geld auszugeben. Im Allgäu hingegen gibt es viele Golfer, die jeden Cent hinterfragen. Es soll immer alles noch günstiger werden, im Gegenzug darf die Qualität des Angebots aber nicht darunter leiden. Das kann ganz schön mühsam sein. Es tut dem Golfsport in Deutschland einfach nicht gut, wenn alles immer noch billiger wird.

Fotos: Alexander Stohr, House of Swiss Golf AG