Er bringt Schwung in die Talentschmiede

In seinen Träumen hat er diesen Golfplatz am Bullachberg im Süden des Ostallgäus schon unzählige Male gebaut. 18 Löcher, sportlich herausfordernd, Sandbunker, Wasserhindernisse – und ein traumhaftes Panorama auf die Königsschlösser. „Das Allgäu ist als Golfregion schön, keine Frage. Aber ein Platz, der besonders heraussticht, fehlt einfach. In dieser Lage wäre das für die Region ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich international perfekt werben ließe. Schon allein mit dem Namen Neuschwanstein“, sagt Michael Thurner.

Mehr als eine Übungsanlage hat es dort aber bislang nie gegeben. Der 43-Jährige ist in Füssen groß geworden, hat es als Eishockeyspieler über den Nachwuchs des EVF bis in die deutsche Junioren-Nationalmannschaft geschafft. Später hat er als Profi unter anderem für Heilbronn, Schweinfurt und Hannover gespielt, auch in der Deutschen Eishockey-Liga, der höchsten Spielklasse. Mittlerweile verdient er sein Geld als Trainer an der Akademie des renommierten Golfclubs St. Leon-Rot bei Heidelberg. Der gilt nicht nur wegen seiner ausgezeichneten Nachwuchsarbeit in der Szene als FC Bayern des Golfsports. Tiger Woods hatte einst in St. Leon-Rot seinen ersten Auftritt bei einem Profiturnier auf europäischem Festland.

Keine vergleichbare Anlage in Europa

Thurner schwärmt in den höchsten Tönen von seinem Arbeitgeber: „Ich kenne in Europa keine vergleichbare Anlage, die so viele verschiedene Spiel- und Trainingsmöglichkeiten bietet.“ Zwei 18-Loch-Plätze, eine 9-Loch-Anlage für Einsteiger und fünf Spielbahnen für die Kleinsten, dazu ein Übungsareal mit Flutlicht, ein Video-Analysezentrum und eine 1700 Quadratmeter große Golfhalle, in der auf zwei Ebenen das Spiel auf dem Platz in allen Varianten simuliert werden kann. „Ja, das ist schon ein Traum. Da lässt es sich arbeiten“, meint Thurner lachend.

 

Im Alter von 19 Jahren hat ihn das Golffieber gepackt, animiert von den nordamerikanischen Teamkollegen in Heilbronn. „Die Kanadier und Amis sind in ihrer Freizeit ständig zum Golfen. Sie haben mich mitgenommen und ich war von Anfang an begeistert von dieser Sportart“, erzählt der 43-Jährige. Das Gefühl für den Ball hatte er bereits, Bewegungstalent auch und so verbesserte er sich recht schnell – in nicht einmal vier Jahren bis auf eine Zweier-Handicap. „Ich habe dann aber keinen geeigneten Golflehrer gefunden, der mir noch weiterhelfen konnte. Und das war für mich letztlich Anstoß dazu, selbst die Trainer-Ausbildung anzupacken“, erzählt er. Drei Jahre hat er gelernt, anderen Golfern den Schwung zu lehren, von 2003 bis 2005. Wie muss er denn nun sein, der perfekte Golftrainer? Thurner sagt: „Er muss Spaß vermitteln und sich auf jeden einzelnen Schüler individuell einstellen können. Es gibt kein Golf-Lehrbuch. Jeder Schwung ist anders.“

Er kümmert sich um die Stars von morgen

In der Talentschmiede des GC St. Leon-Rot ist der Füssener mittlerweile zuständig für die Ausbildung des Nachwuchses, er betreut die Buben von acht bis 14 Jahren. Vor allem Athletiktraining ist in diesem Alter gefragt. „Es geht nicht nur um Golf. Man muss den Kindern heutzutage auch laufen, springen, werfen und fangen beibringen“, erklärt Thurner. Und er versucht freilich, dem Nachwuchs seine riesige Begeisterung für den Golfsport zu vermitteln. Der Allgäuer meint: „Ich liebe dieses Spiel, die ständige Suche nach Perfektion und den Kampf gegen sich und den Platz.“

Fotos: Werner Feneberg