2019 droht der Süd-West-Konflikt

Das war es also für mich, das Golfmesse-Jahr 2018. Erst Zürich, dann München. Das Angebot hat sich kaum unterschieden. Es hat sich eben längst ein Messe-Tross gebildet, der Woche für Woche gemeinsam weiterreist. Stuttgart, Zürich, Hamburg, München, Düsseldorf. Eine Ausstellerin hat mir erzählt, dass es Tage gab, an denen sie nicht mehr wusste, in welcher Stadt sich ihr Hotelzimmer gerade befindet. Aber zurück zu meinem Besuch. Ich habe mich nach zwei Jahren Pause entschieden, die Golftage in München zu besuchen. Und ich war positiv überrascht.

Der Umzug raus aus dem kleinen, wenig schmucken M.O.C, rein in die helle, geräumige Halle der Messe Riem hat den Münchner Golftagen gutgetan. 155 Aussteller aus dem In- und Ausland waren dabei. Klar, da gab's natürlich die üblichen Verdächtigen. Hotels, Golfanlagen, Verbände, eine Driving Range zum Ausprobieren des neuesten Materials. Aber es waren auch ganz nette Neulinge dabei. Ein Golfballtaucher zum Beispiel, der sein Angebot fein säuberlich sortiert in der Auslage hatte. Oder aber ein Putter aus Österreich, der mit wechselbarer Schlagfläche auf schnelle und langsame Grüns einstellbar ist. Ich werde diesen 3-D-Putter und die Idee dahinter, vielleicht ja auch die eine odere andere Schwachstelle, demnächst noch ein wenig näher vorstellen. Gefallen hat mir natürlich - wie immer, könnte man an dieser Stelle schon fast sagen - der Auftritt der königlich-bayerischen GolfHeroes, diesem ausgeflippten Haufen um ihren noch viel ausgeflippteren Präsidenten Bernhard Fleischmann. Sie haben mich ein wenig an die crazy Urban-Golfer um Didi Keller erinnert, denen ich in der Schweiz begegnet bin. Wenngleich die GolfHeroes auf "ganz normalen" Golfplätzen unterwegs sind, vielleicht ein bisschen lauter Musik hören und noch ein bisschen mehr Bier trinken als die anderen Golfer. Aber zurück zum Thema: Sie haben bei den Münchner Golftagen jedenfalls im wahrsten Sinne des Wortes Farbe ins Spiel gebracht. Danke, liebe GolfHeroes, für die Präsentation der Golfmode 2018. Da würden auf dem Laufsteg nebenan selbst Heidis Models verblassen.

 

Bei aller Begeisterung muss ich allerdings auch zugeben, dass Messebesuche für mich - bedingt durch meine Arbeit - mittlerweile zu einer Art Familientreffen geworden sind. Ich bin stundenlang von einem Bekannten zum anderen unterwegs. Da wird geratscht und getrascht. Und auch das macht für mich natürlich einen gelungenen Ausflug aus. Manch anderer ist vielleicht ohne große Gespräche schneller durch und fährt enttäuscht oder gelangweilt wieder nach Hause.

Zwei Messen, ein Termin

Im Gespräch mit so manchem Aussteller wurde schnell klar: Die Golftage München sind auch bei den Unternehmern, Hoteliers und Klubverantwortlichen beliebt. Lob gab es für die Atmosphäre, für das begeisterungsfähige und interessierte Publikum ebenso. Zahlreiche Aussteller haben bereits ihre Standfläche für das kommende Jahr reserviert. Und das könnte für eine andere Messe zum großen Problem werden. Denn schon jetzt steht fest, dass die Münchner Golftage und die Rheingolf in Düsseldorf im Jahr 2019 am selben Wochenende stattfinden werden - von 22. bis 24. Februar. Momentan sind beide Veranstaltungen noch zur gleichen Zeit terminiert. Es droht also der Süd-West-Konflikt! Und das ist für den Wert der Messe, egal welcher der beiden, gar nicht gut. Klar, an den Besucherströmen wird's nicht liegen. Da hat jeder der beiden Standorte sein eigenes, großes Einzugsgebiet. Aber gerade die großen Anbieter, namhafte Hersteller oder beliebte Urlaubsziele werden sich kaum zwei zeitgleiche Messeauftritte leisten können bzw. wollen. Somit stehen sie vor der Wahl: München oder Düsseldorf? Was für den Süden spricht: Die Münchner Golftage feiern im kommenden Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Es wird also eine Jubiläumsauflage geben. Und dafür werden sich die Macher mit Sicherheit ordentlich ins Zeug legen. Es bleibt spannend!

Fotos: Stephan Schöttl