Der Mann auf der Kommandobrücke

„Nimm Dir Zeit für die Dinge, die Dich glücklich machen!“ So lautet das Lebensmotto von Wolfgang Michel, seit September 2017 neuer Geschäftsführer im Golfclub München-Eichenried. Schon früh morgens sieht man den 52-jährigen Familienvater in Gummistiefeln über den Platz gehen. Da ist er in seinem Element und denkt sich Verbesserungen aus. Das hat Michel schon als ehrenamtlicher Beirat für Finanzen/Anlagen gemacht. Nun muss er anschließend nicht mehr in ein Münchner Büro fahren, sondern geht zu Fuß zurück ins Büro im ersten Stock des Klubhauses.  Im Interview plaudert er aus dem Nähkästchen.

Was waren die ersten Dinge, die Sie anpacken mussten?

 

Wolfgang Michel: Meine erste Amtshandlung waren Gespräche und Sitzungen mit allen engen Mitarbeitern und Kooperations-Partnern. Der Golfclub München-Eichenried ruht ja auf vielen Schultern, auf Partnern, wie der Gastronomie, dem ProShop, der Golf-Akademie. Deshalb habe ich mir erst einmal sehr viel angehört und angeschaut, um deren Sicht der Dinge zu erfahren. Vertrauen entsteht durch Offenheit und Wertschätzung. Ich muss mich ja auch erst einmal in meiner neuen Rolle einfinden. Korbinian Kofler hat mich im September 2017 eingearbeitet und wir telefonieren häufig, um uns auszutauschen. 

 

Der GC München Eichenried saniert aktuell 30 Grüns, 28 Löcher und zwei Putting Greens. Was bedeutet das für den Spielbetrieb?

 

Michel: Der erste Bauabschnitt - die Anlage unseres eigenen Sodengartens im Spätsommer 2017 – ist sowohl zeitlich als auch qualitativ schon sehr erfolgreich gelaufen. Mit der jetzigen Ablaufplanung wird die Renovierung so gut wie keine Beeinträchtigung des Spielbetriebs mit sich bringen. In Abstimmung mit dem DGV ist der A-Kurs auch für die dreimonatige Renovierungsphase neu gerated worden und damit sogar turniertauglich. Wir haben immer 27 Löcher und den Kurzplatz zur Verfügung!

"Eichenried ist mehr als Golf"

Um die langjährige Zusammenarbeit mit BMW haben Sie sich auch gekümmert. Wie sieht es da aus? 

 

Michel: Mit BMW verbindet uns eine sehr lange und professionelle Partnerschaft. Wir sind fast schon eine Familie. Eichenried ist ja schließlich entstanden als Heimatplatz der damals, 1989, neu erfundenen BMW International Open. Der Platz vor den Toren des Stammsitzes von BMW. Die schönste, ganz aktuelle Nachricht: Eichenried wird in den kommenden vier Jahren, 2019 bis 2022, wieder jährlich Austragungsort für das international bedeutendste Golfturnier auf deutschem Boden sein wird. Für unseren Club ist das ein tolles Signal. Wir sind BMW sehr dankbar, dass uns das Unternehmen mit Rat und finanziellen Mitteln seit vielen Jahren unterstützt und wir den Platz und die gesamte Anlage ständig verbessern konnten.

 

Wie würden Sie denn den GC München-Eichenried beschreiben?

 

Michel: Wir sind ein Platz und eine Gemeinschaft mit Freiheit und Großzügigkeit. Bei uns gilt: leben und leben lassen. Allein das Gelände bietet schon so viel Weite, herrliche Naturerlebnisse und Landschaftsbilder. Eichenried kann weitestgehend ohne Startzeiten und ganz spontan gespielt werden. Oft ergibt es sich zufällig, interessante Menschen auf einer Runde kennenzulernen, mit denen schnell auch tiefere Gespräche möglich sind. Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen und allen Altersklassen. Eichenried ist mehr als Golf!

 

... und führend in puncto Kinder- und Jugendförderung.  

 

Michel: Die Kleinsten fangen bei uns schon ab fünf Jahren spielerisch an. In sehr vielen Trainingskursen kristallisieren sich die unterschiedlichen Neigungen und Talente heraus. Die Kinder sollen sich entfalten und Spaß haben. Sie müssen den Sport schließlich mit der Schule vereinbaren. Die Pubertät kommt hinzu. Oft entstehen auf dem Golfplatz Freundschaften fürs Leben. Ich schaue gerne aus meinem Büro auf das Putting-Grün, auf dem sich regelmäßig unser Nachwuchs in kleinen Gangs tummelt. Insgesamt sind wir sehr stolz auf die Jugend in unserem Club und haben dafür zahlreiche Auszeichnungen wie zum Beispiel das DGV-Zertifikat in Gold gewonnen. Wir sind Trainingsstützpunkt des Bayerischen Golfverbandes und fördern über 200 Kinder. Zusätzlich haben wir rund 80 Studenten und Auszubildende in unserem Club.   

 

In welchem Alter haben Sie denn mit dem Golfen angefangen?

 

Michel: Leider nicht ganz so früh wie unsere Jugendlichen. Das war 1987, mit 21. Da habe ich als Student noch bei meinen Eltern in Obermenzing gewohnt und war aktiver Fußball- und Eishockey-Spieler. Die ersten Schritte waren eher wild: Ich habe das erste Jahr ohne Anleitung mit Freunden im Pasinger Stadtpark Bälle geschlagen und mit dem Handrasenmäher ein kleines Par 3 einschließlich Cup und Fahne angelegt, bis wir vertrieben wurden. Damals hatten viele Clubs Aufnahme-Stopp und ich landete schließlich in dem traumhaft gelegenen neu gegründeten Golfclub Hohenpähl, der zeitgleich mit Eichenried und vielen anderen Anlagen rund um München entstand. Mein erster Kontakt zu Eichenried ergab sich als Helfer in den ersten Jahren der BMW International Open. Heute ist der Club für uns als Familie eine zweite Heimat und ein wunderbarer Ort der Erholung und Freude.     

Neun Löcher in 50 Minuten

Wie oft wollen Sie wöchentlich noch zum Golfspielen kommen in der Saison 2018?

 

Michel: So oft es geht. Am liebsten gehe ich ganz in der Früh, kurz nach Sonnenaufgang. Neun Löcher in 50 Minuten. Dabei kann ich den Platz anschauen, mir Gedanken für den Tag machen, kreative Ideen spinnen. Auf dem Platz präsent sein, bedeutet für mich aber auch, die Golf spielenden Angestellten von Eichenried und die Mitglieder in ihrem Element zu erleben und ganz unmittelbar zu erfahren wie die Stimmung ist. Nicht zuletzt möchte ich fit bleiben und zufrieden mit meinem eigenen Spiel. Mal sehen, ob das so klappt, denn der Job als Geschäftsführer ist eben ein Fulltime-Job mit vielen wichtigen Aufgaben jenseits des Golfplatzes.

Fotos: Ralf Gamböck