Macht die Golfplätze wieder auf!

"Ach, Du spielst Golf. Das ist doch gar kein Sport!" Nie zuvor habe ich mir mehr gewünscht, dass das keines der vielen schlechten Klischees über den Golfsport ist, sondern Fakt. Nie zuvor wollte ich mehr, dass Golf tatsächlich nur ein Spaziergang im Grünen ist. Aber weil Golf eben doch Sport ist, olympisch noch dazu, und die Politik die weitläufigen Grünflächen mit anderen Sportstätten, Turnhallen und Fitnessstudios gleichsetzt, bleibt uns unser Hobby nach wie vor verwehrt. Zumindest in Bayern!

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Ich finde alle Maßnahmen, die bislang zur Eindämmung des Coronavirus getroffen wurden, völlig in Ordnung. Die Zahlen belegen das ja auch. Und ich bin auch keiner der vielen Verschwörungstheorien rund um das Virus zugeneigt. In den vergangenen Wochen haben mich ganz ehrlich sogar all die Golfer genervt, die tagtäglich mit den gleichen Worten ihren Unmut kundgetan und den Deutschen Golf-Verband für seinen Krisenkommunikation gerügt haben (die ich als Mitglied eines Club-Vorstands übrigens aus interner Sicht sehr gut finde!). Vor allem in den sozialen Netzwerken. Wie kleine Kinder, denen das Spielzeug weggenommen wurde. Nicht tragbar so etwas! Denn das war noch mitten in den Corona-Hochzeiten. Zu der Zeit, in der die Infektionszahlen in die Höhe schnellten. Für das Golf-Image waren die Vorstöße dieser Querulanten nicht besonders gut. Ja, wir Golfer sind schon ein ganz besonderes Völkchen. Und manche unter uns fühlen sich scheinbar noch besonderer. Es lebe der Lobbyismus! Wo bleibt denn da die Gleichbehandlung? Was sollen Tennisspieler und Leichtathleten sagen, die ihren Sport im Freien ebenfalls nicht ausüben dürfen?

Ein Grün so groß wie ein Einkaufsladen

Aber jetzt genug Vergangenheit. Denn inzwischen hat sich meine Denkweise grundlegend geändert. Woran das liegt? An den Schritten zur Lockerung der Corona-Maßnahmen. An der Wiederöffnung von Baumärkten und dem Einzelhandel. Und daran, dass Golfplätze in Deutschland (von ein paar Ausnahmen in unterschiedlichen Bundesländern mal abgesehen) weiterhin geschlossen bleiben. Mindestens wohl bis zum 3. Mai. Solange die Ausgangsbeschränkungen und das Kontaktverbot gelten. In Österreich dürfen die Golfanlagen ab 1. Mai wieder öffnen. Leute, macht die Golfanlagen endlich wieder auf! Denn Golf ist zwar Sport, aber Gesundheitssport! Und nichts ist in diesen schweren Zeiten wichtiger, als das körperliche und seelische Wohlbefinden. Dass Golf gut für Herz und Kreislauf ist, so viele Muskelgruppen beansprucht wie kaum eine andere Sportart, dass das Ganze sogar Depressionen vorbeugt, ist längst hinlänglich bekannt und wurde schon oft geschrieben. Der DGV weist gerne auf sein Programm "Golf & Gesundheit" hin. Warum um alles in der Welt dürfen wir denn noch immer nicht auf den Platz? Kontaktsport ist Golf schließlich nicht. Es gibt golfende Pärchen und sogar ganze Familien, die dasselbe Hobby haben. Was macht den Unterschied, ob diese Paare und Familien zu zweit, zu dritt, zu viert um den Block spazieren oder ihre Runde über den Golfplatz drehen?

 

Allein die Grüns beispielsweise sind oft zwischen 400 und 500 Quadratmeter groß. Und selbst wenn man die Vorgaben des "Social Distancing" befolgt und jeder genügend Platz um sich herum schafft, sagen wir mal vier Quadratmeter, passen allein auf ein solches Grün immer noch 100 Golfer. Also 25 Viererflights. Auf einem einzigen Grün von dem es auf einem Platz 18 gibt! Aber logischerweise dürfen gar nicht mehr als maximal vier Spieler eines Flight auf einem Grün sein. Nur noch einmal zur Erinnerung: Geschäfte bis zu einer Fläche von 800 Quadratmeter dürfen wieder öffnen, Golfplätze aber nicht! 

Startzeitenkontrolle und kleinere Flights

Die Möglichkeiten, das Treiben auf den Golfplätzen zu kontrollieren, sind vielseitig. Es wird, sagt man oft, nach Corona nichts mehr so sein wie vorher. Ja, ich glaube, dass das auch auf den Golfsport zutreffen wird. Wir werden anfangs sicherlich nicht in Massen auf den Platz können. Vielleicht ja nur in Zweierflights. Startzeiten werden wohl unabdingbar. Schon allein um lange Warteschlangen am ersten Abschlag zu vermeiden. Wahrscheinlich sogar mit deutlich mehr zeitlichem Spielraum zwischen den Flights. Aus meiner Vorstandsarbeit weiß ich, dass die Klubs schon seit Wochen an solchen Modellen arbeiten, um für Tag X bestens gerüstet zu sein. Und diesen Tag X, den sehnen wir alle so sehr herbei.