Passgenau: Die Sache mit dem Fitting

Wenn es um Fitting geht, wird Daniel Ortner-Bauer hellhörig. „Ein sehr komplexes Thema“, sagt unser Alpengolfer-Pro aus dem GC Tiroler Zugspitze in Tirol. Weil es heutzutage einfach viel zu viele Möglichkeiten und Einflussfaktoren beim Schlägerbau gibt. Sein Tipp: Man sollte die Sache den Experten überlassen und sich nicht auf das nächstbillige Angebot einlassen. Die großen Konzerne sind zwar günstig, können aber oft aufgrund der hohen Kundenfrequenz gar kein ausgiebiges Fitting machen. Auch Ortner-Bauer hat da seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht.

Bei einem großen Golfhändler zum Beispiel. „Ich habe mich testweise in einer der Filialen beraten lassen und war enttäuscht. Denn der Verkäufer ist überhaupt nicht auf mich eingegangen. Er wollte mir einen Schlägersatz verkaufen, den er zwar auf Lager hatte, der aber gar nicht zu mir gepasst hätte“, erzählt er.  Ein Pro hingegen kenne seine Spieler meistens schon seit dem ersten Platzreifekurs. Daniel meint: „Er kann doch viel besser einschätzen, was der Schüler braucht.“ Auch die kleinen Golfshops sind in dieser Hinsicht wieder auf dem Vormarsch.

Was sagt mir der Spieler?

Beim Fitting hat man mittlerweile die Qual der Wahl. Erst einmal musst Du den richtigen Schlägerkopf für Dein Spiel und Dein Empfinden finden. Und dann? Dann gibt es dazu locker 30 verschiedene Schäfte, die sich auch noch in Gewicht und Material unterscheiden. Bei mir lief das vor zwei Jahren mit dem Fitting schon einfacher: Ich bin Linkshänder, da ist die Auswahl von vornherein eingeschränkt. Ich habe trotzdem meine Traumschläger gefunden. Doch nach welchen Kriterien wird überhaupt ausgewählt? Daniel erklärt: „Wichtig ist: Was sagt mir der Spieler? Und dann achte ich natürlich auch auf die Schlägerkopfgeschwindigkeit.“ Während viele seiner Kollegen rundherum riesigen technischen Aufwand betreiben, verzichtet der Alpengolfer-Pro bewusst auf Flightscope und Co. „Weil ein Scratchgolfer selten fünf Bälle bis zehn hintereinander konstant spielt. Er muss bei mir zehn Bälle mit dem einen Schläger, zehn Bälle mit dem anderen und nochmal zehn Bälle mit dem dritten Modell schlagen. Dann findet er unter Anleitung des Trainers auch den richtigen Weg“, sagt er. Man geht mit dem Spieler gemeinsam auf die Suche nach dem perfekten Schlägerkopf, Schlägerschaft und Griff. Und wenn dieser gefunden ist, wird der Spieler noch mehr Freude am Spiel haben.

Auch für Anfänger ein Thema

Ein Fitting kostet heute keine utopischen Summen mehr. Angebote gibt es längst in jeder Preiskategorie. Und wenn es passt, ist man als Kunde dann aber auch bereit, ein bisschen mehr zu bezahlen. Würde ich jederzeit wieder so machen. Ich habe vor meinem Fitting übrigens nie daran geglaubt, dass sich das  eigene Spiel mit individuell angepassten Schlägern so positiv verändern würde. Aber was ist, wenn man einfach nichts für sich und seine Ansprüche findet? Daniel erzählt: „Ich habe schon einen Kunden gehabt, da war es tatsächlich so. Er spielt immer noch mit seinem alten Eisensatz weiter. Aber auch das ist in Ordnung.“ Daniel rät Anfängern übrigens ab, das Bag gleich mit allen 14 erlaubten Schlägern vollzupacken. „Die braucht man höchstens im Singlehandicap-Bereich, aber nicht ab 18 aufwärts“, sagt er. Seine Empfehlung: Eisen 6 bis 9, ein Pitchingwedge, ein Sandwedge ein Rescue und ein Putter. Schritt für Schritt. Die landläufige Meinung, ein Fitting sei nur bei besseren Golfern sinnvoll, lässt Daniel Ortner-Bauer übrigens kopfschüttelnd zurück. Auch in diesem Bereich gelte schließlich: je früher, desto besser.

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