Schlagschuss vs. Golfschwung

Im Winter spielen sie für verschiedene Vereine in Deutschlands Eishockey-Ligen, abseits des Eises sind sie gemeinsam unterwegs: auf dem Golfplatz! Sven Schirrmacher (26), Ronny Zientek (28), Tim Tenschert (29) und Michael Simon (26) haben im wahrsten Sinne des Wortes ein Händchen für die beiden Sportarten. Obwohl diese auf den ersten Blick so gar nichts gemeinsam haben. Auf der einen Seite die schnellste Mannschaftssport der Welt. Jede Menge Action und Adrenalin. Auf der anderen Seite Golf als Hobby, bei dem es auf Konzentration und Ruhe ankommt.

Eishockey gilt im Allgäu, der Region zwischen Memmingen und Oberstdorf, Lindau mit dem Bodensee und Füssen mit seinen verträumten Königsschlössern, quasi als eine Art „Nationalsport“. Selbst im Sommer wird draußen auf den Straßen und Hartplätzen gefieselt, wie die Hiesigen dazu sagen. Viele, viele Kinder werden mit diesem Sport groß. So war das auch bei Sven Schirrmacher, Ronny Zientek, Tim Tenschert und Michael Simon. Im Kindergarten- bzw. Grundschulalter haben sie ihre ersten Schritte auf dem Eis gemacht. Und noch immer sind sie Feuer und Flamme. Schirrmacher und Tenschert spielen mit dem ECDC Memmingen sogar in der Oberliga, Deutschlands dritthöchster Liga. Zientek läuft für den ESV Burgau auf, Simon für die Devils Ulm/Neu-Ulm. Beides Landesligisten.

Den Schläger schwingen die vier aber längst nicht mehr nur auf dem Eis. Seit einiger Zeit sind sie auch begeisterte Golfer. Während ihrer gemeinsamen Zeit in Memmingen hatte der Mannschaftsarzt zum Schnupperkurs eingeladen. „Dadurch wurden wir mit dem Golfvirus infiziert“, sagt Sven Schirrmacher. Erst waren sie auf Kurzplätzen unterwegs, mittlerweile sind sie gefürchtete Teilnehmer bei den Turnieren in der Region. Weil sie bei den Siegerehrungen regelmäßig absahnen. So wie Schirrmacher bei einem der traditionellen Herrennachmittage im Allgäuer Golf- und Landclub in Ottobeuren. Sagenhafte 62 Netto-Punkte hat er gespielt, sein Handicap dadurch ordentlich nach unten geschraubt. „An dem Tag habe ich sehr gut gespielt und es hat alles gepasst. Auch die Konzentration hat über 18 Löcher mitgespielt. Das war natürlich ein starkes Ergebnis“, meint er recht bescheiden. Zientek schlägt da augenzwinkernd andere Töne an: „Ich glaube, dass unsere Gruppe nächstes Jahr noch das eine oder andere Ausrufezeichen setzen wird.“

 

Aber was haben Golf und Eishockey denn jetzt tatsächlich gemeinsam? „Beide Sportarten sind höchst emotional“, sagt Ronny Zientek lachend. Eine weitere Parallele: die Konzentration. Schirrmacher erklärt: „Beim Eishockey geht es hart zur Sache. Da muss man immer bereit sein. Beim Golf ist es nichts anders. Man muss sich voll auf jeden Schlag fokussieren, egal aus welcher Lage.“ Nichtsdestotrotz sagt man Eishockeyspielern einen eigenwilligen Schwung nach. Kennst Du Happy Gilmore? In diesem Film, übrigens einem der besten und witzigsten Golfstreifen, die ich kenne, wird Adam Sandler vom Eishockeyspieler zum Profi-Golfer – und schlägt mit seinem Eishockeyschläger ab. Nein, der Golfschwung ist kein Schlagschuss! Gefühl ist das Gebot der Stunde, nicht der maximale Kraftaufwand. „Wir Eishockeyspieler wollen den Ball halt auf Biegen und Brechen weit schlagen“, meint Michael Simon. Der eigentliche Golfschwung habe aber mit dem Eishockeyschlag wenig gemeinsam. Der Schläger wird beispielsweise anders gehalten. Es gibt nicht wenige Eishockeyspieler, die beim Golf vom Linksschützen zum Rechtshänder werden. Simon sagt: „Beim Eishockey schaut man außerdem in der Regel, wohin man schießt. Beim Golf sollte man ja eher den Kopf unten lassen.“

"Auf Verlieren hat keiner von uns Lust!"

Der Spaß spielt bei der golfenden Eishockey-Clique die größte Rolle. In der kommenden Saison wollen sie einen internen Golf-Eishockey-Cup einführen – um einen eigens angefertigten Wanderpokal, der Monat für Monat im Viererflight ausgespielt wird. Zientek erklärt: „Der Sieger darf ihn dann einen Monat zuhause behalten, nach fünf Siegen gehört er ganz dem Glücklichen. Allein das zwingt uns, besser zu werden. Denn auf Verlieren hat keiner von uns Lust!“

 

Fotos: Stephan Schöttl