"Wenn's keinen Spaß mehr macht, höre ich auf!"

Tipps? Nein, die gibt es von Boris Eberle nicht. Noch kein einziges Heimspiel haben die Jungsenioren der Golfanlage Alpenseehof bei Nesselwang verloren, seit sie in der Golfliga um Punkte spielen. Und das soll freilich auch so bleiben. Der 38-Jährige ist einer der Erfolgsgaranten bei den Ostallgäuern. Seit elf Jahren spielt er Golf, hat längst ein einstelliges Handicap. In der ewigen Top-500-Rangliste der Golfliga zählt er zu den Besten. Hinter Christian Dietl vom Golfpark Aschheim rangiert Eberle auf Platz zwei. Ein Porträt.

Das hier ist gelebte Idylle. Das Allgäu mit all seinen Klischees. Bauernhöfe, Kühe, kühles Quellwasser, der Frischmilch-Automat um die Ecke und freier Blick auf die Berggipfel ein Stückchen weiter südlich. Wenn Boris Eberle auf seinem Heimatplatz bei Nesselwang im Ostallgäu unterwegs ist, kommt er aus dem Schwärmen kaum mehr heraus. Und lässt sich sogleich zum ewigen Treueschwur hinreißen: "Ich war noch nie in einem anderen Klub Mitglied und werde es auch nicht werden." Hier, auf gut 900 Metern Höhe mitten im Landschafts- und Natuschutzgebiet Attlesee, fühlt er sich zu Hause. Das Familiäre begeistert ihn. "Der Betreiber ist mein bester Freund. Es ist kein versnobter Klub und die Leute sind alle aus Spaß am Spiel hier. Und wegen des selbst gebackenen Kuchens natürlich. Ich gehöre schon fast zur Familie", sagt der 38-Jährige. 

Generation "Spaßgolfer"

Angefangen hat alles vor elf Jahren. Zusammen mit einem Arbeitskollegen hat Eberle die Platzreife in Angriff genommen. "Der war eigentlich Bundesliga-Squashspieler und hat einen Ausgleich zum Leistungssport gesucht", erzählt er. Bis zum ersten Preis bei einem Turnier hat es nicht lange gedauert. Es war, soweit erinnert er sich noch, ein Glaspokal, den er in Ottobeuren gewann. Eberle zählt seitdem zur Generation "Spaßgolfer". Das betont er gerne. Auch wenn der Golfsport in den vergangenen Jahren ganz schön zeitintensiv war. "Oh, es gab Zeiten, da war ich sechs Mal in der Woche auf dem Platz oder beim Trainieren auf der Range", erinnert er sich. Nun, als junger Papa, werde sich das aber wohl ändern. Wobei Eberle viel zu golfverrückt ist, als dass er die Schläger ganz in die Ecke stelle würde. Er meint: "Ich versuche schon, auch weiterhin ein bis zwei Mal pro Woche zu trainieren oder zu spielen." 

 

In seinem Heimatklub arbeitet Eberle mit dem Nachwuchs zusammen, kümmert sich als Jugendwart ehrenamtlich um die Belange der Mädchen und Buben. Für viele gilt er als sportliches Vorbild. Trotz seiner Routine mit 38 Jahren hat auch er Lieblingsspieler und Idole auf den großen Pfrofi-Touren der Welt. Dustin Johnson zum Beispiel. "Wegen der Dynamik und Rory McIlroy wegen seines Schwungs", erzählt Eberle.

Der Reiz ist das Duell eins gegen eins

Boris Eberle ist gerne quer durch die Region unterwegs. Unter anderem auf der Sonnenalp bei Ofterschwang im Oberallgäu, auf der Gsteig in Lechbruck oder im Golfclub Waldegg-Wiggensbach. Doch dabei geht es ihm nicht in erster Linie ums Gewinnen. Der Spaß stehe im Vordergrund. "Wenn's keinen Spaß mehr macht, höre ich auf!", sagt er - und erinnert sich sogleich an ein abschreckendes Beispiel aus einem Duell in der Golfliga. Ein Relegationsspiel in Memmingen gegen ein Team aus der Nähe von München. "Die Jungs haben es so bitterlich ernst genommen und waren vollkommen spaßfrei. Es war nicht schön, gegen sie zu spielen." So weit soll es bei ihm freilich nie kommen.

 

Diese Freude am Golfen bringt Eberle letztlich auch den Erfolg. In der Golfliga ist er Zweiter in der Bestenliste der vergangenen Jahre - und wusste bislang nicht einmal davon. Die regionale Spielklasse der Jungsenioren hat für ihn einen ganz besonderen Reiz: den Matchplay-Modus. "Das Duell eins gegen eins ist klasse! Man kann auch bessere Spieler schlagen, wenn man den besseren Plan und die besseren Nerven hat", meint er. Apropos gute Nerven. Die hat er früher auf dem Golfplatz gerne mal mit einer Zigarette gestählt. "Ja, die durften früher in meinem Bag nicht fehlen", meint er lachend. Heute gehört vielmehr das 7er Fairway-Holz zur Grundausrüstung. Und die Tasse Kaffee. Die, sagt er, brauche er nach der Runde immer. Egal, wie spät es ist.

Fotos: Sandra Geiger