Tobias Müller: Mentaltraining auf dem Golfplatz

Tobias Müller ist in seiner Disziplin der Beste der Welt. Der Allgäuer ist begeisterter Telemarker. Kaum einer kann ihm in dieser ursprünglichen Form des Ski-Abfahrtslaufs das Wasser reichen. Im Sommer freut sich der 24-Jährige aber aufs Kontrastprogramm: Müller ist seit einiger Zeit auch begeisterter Golfer. Auch wenn die Action auf der Piste und die Ruhe auf dem Grün auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen, gibt es, meint er, Gemeinsamkeiten. Um für den Winter mental gerüstet zu sein, sei Golf im Sommer der ideale Zeitvertreib.

Die Freiheit, die man beim Telemarken spürt, ist für mich unvergleichlich. In keiner Sportart ist man dem Element Schnee näher. Nirgends hat man so viel Bewegungsfreiheit auf zwei Brettern.“ Wenn Tobias Müller über seine Sportart Telemark spricht, gerät er jedes Mal aufs Neue ins Schwärmen. Der 24-jährige Oberstdorfer ist in seit Jahren das Maß der Dinge. Weltweit! 41 Weltcup-Rennen hat er bislang gewonnen, neun WM-Medaillen gesammelt, sieben davon in Gold.

Das Talent liegt in der Familie

„Den Wintersport generell habe ich sehr früh für mich entdeckt. Er wurde mir quasi in die Wiege gelegt“, erzählt er. Schließlich sind die Müllers eine Familie, die Feuer und Flamme ist für den Skisport. Tobias stand schon als Zweijähriger zum ersten Mal auf den Brettern, wurde später in den Schülerkader der Alpinen im Allgäuer Skiverband berufen und schaffte es als Langläufer sogar bis ins Team des Bayerischen Skiverbands. Bis er 2010 durch seinen Freund und jetzigen Nationalmannschaftskollegen Benedikt Holzmann zum Telemarksport kam. „Darüber bin ich auch heute noch wirklich froh“, sagt der 24-Jährige. 2011 bestritt er auf der Strecke am Oberjoch in Bad Hindelang/Allgäu sein erstes Weltcuprennen bei den Telemarkern.

Der Oberstdorfer zählt zwar mittlerweile in seiner Sportart zu den Besten der Welt, ist aber gleichzeitig ehrgeizig genug, um die Trainingsintensität trotz aller Erfolge hochzuhalten. „Zu lernen gibt es noch sehr viel. Im Telemark sind es die kleinen Details, an denen gefeilt und gearbeitet wird“, erzählt Müller. Ein noch größeres Stück Arbeit wartet auf ihn bei einem seiner Hobbys: dem Golfspiel. Zu diesem Sport kam er vor drei Jahren über ein Turnier, das der Bayerische Skiverband alljährlich im Frühjahr ausrichtet. Seitdem ist Müller im Sommer begeistert auf den Grüns des Allgäus unterwegs. In erster Linie als Ausgleich zur Action auf der Skipiste. „Genau diese Differenz gefällt mir bei beiden Sportarten aber auch am besten. Ich kann auf dem Golfplatz sehr gut zur Ruhe kommen. Zum anderen ist es die Affinität, die mich reizt. Im Golf und im Telemark ist mentale Stärke extrem wichtig“, erklärt er. Daher sei Golf im Sommer für ihn auch ein wenig Mittel zum Zweck und gutes Training für die mentalen Herausforderungen im Winter. Am liebsten ist er in seinem Heimatclub, dem GC Oberstdorf, unterwegs. Müller: "Nirgends ist man den Bergen näher."

Lieber der WM-Titel

Bei der Frage, was er sich denn als nächsten großen Triumph wünsche, beginnt Müller laut zu lachen. Einen weiteren Weltmeistertitel bei den Telemarkern oder lieber die Klubmeisterschaft bei den Oberstdorfer Golfern? „Dann nehme ich den WM-Sieg. Der ist ohnehin wesentlich wahrscheinlicher.“ Am 15. März beginnt die Weltmeisterschaft im französischen La Plagne. Müller geht wieder einmal als großer Favorit in die Wettbewerbe.

Fotos: Ralf Lienert