Golftraining im Winter: Ab in die Halle!

"Man kann im Sport nur erfolgreich sein, wenn man das ganze Jahr ackert", sagt Ralf Schwarz. Er ist A-Lizenz-Trainer und bittet seinen Golf-Nachwuchs im Allgäu Woche für Woche zum Üben. Auch im Winter. Seit November arbeiten die Mädchen und Buben in der Turnhalle schon wieder an den Grundlagen für die kommende Saison. Auch wenn die noch weit weg ist. An Kondition und Koordination, aber auch am Schwung. Sogar ein Sportwissenschaftler wurde engagiert.

Die Turnhalle in Wiggensbach gleicht an diesem Tag einem Erlebnisparcours. In der einen Ecke liegen dicke Weichbodenmatten, in der anderen Gymnastikreifen. Hier die einzelnen Teile eines Kastens, dort Wackel- und Sprungbretter. Nur geturnt wird nicht. An den verschiedenen Stationen wechseln sich stattdessen junge Golfer ab. Für den Nachwuchs des Golfclubs Waldegg-Wiggensbach gibt es keine Winterpause. Weil der Platz durch Schnee und Eis freilich derzeit nicht bespielbar ist, geht es einmal pro Woche für jeweils drei Stunden zum Training in die Halle. „Man kann im Sport nur erfolgreich sein, wenn man das ganze Jahr ackert“, sagt Ralf Schwarz, Clubmanager und A-Lizenz-Trainer.

Mit spielerischem Ansatz und weichen Bällen

Er hat in den vergangenen Jahren oftmals beobachtet, dass die komplexe Technik dieses Sports immer nur dann richtig gut funktioniert, wenn der Golfer auch ausreichend durchtrainiert ist. „Manche können beim Schwung zum Beispiel gar nicht so weit ausholen, weil ihnen die Kraft in der Schulter fehlt“, erklärt er. Ebenso wichtig für den Schlag sei die Bauchmuskulatur. In den Übungsstunden für den Nachwuchs geht es daher in erster Linie um Kraft, Ausdauer und Koordination. Das kurze Spiel wird ebenso trainiert wie die Schwungtechnik – mit spielerischem Ansatz und weichen Bällen. Außerdem treffen sich die Mädchen und Buben, die meisten von ihnen zwischen neun und 14 Jahre alt, den ganzen Winter über zu anderen gemeinsamen Aktivitäten. Etwa zum Schlittschuhlaufen, Eishockeyspielen oder Skifahren. Was nach geselligem Freizeitvergnügen klingt, hat für Ralf Schwarz auch eine lehrreiche Seite. „In der Sportwissenschaft ist längst bekannt, dass neben der spezifischen Ausbildung der Sportart auch die allgemeinen koordinativen Fähigkeiten in der Leistungsentwicklung junger Sportler entscheidend sind“, sagt er. Und da sei eine Schussfahrt auf Ski oder eine Runde auf Schlittschuhen eine sinnvolle Ergänzung zum Golftraining.

Fast 20 Kinder und Jugendliche aller Spielstärken, vom Anfänger bis zum Golfer mit einstelligem Handicap, sind Woche für Woche dabei. Das freut Schwarz. „Man lernt sich selber mit seinen Stärken und Schwächen kennen und kann gezielt daran arbeiten, immer besser zu werden“, meint der Trainer. Um sich ein Bild von der Fitness seiner Schützlinge zu machen, hat Schwarz vor Kurzem einen für den Golf-Nachwuchs ungewöhnlichen Weg eingeschlagen: Gemeinsam mit dem Sportwissenschaftler Manfred Günther vom Diagnostikzentrum Kempten bat er zum Leistungstest. Günther berät viele Spitzensportler und unter anderem auch die Talente des Allgäuer Skiverbands. In verschiedenen Aufgabenstellungen ging es um mögliche muskuläre Dysbalancen, Atemvolumen und Pulsfrequenzen. Auch einem Lactattest mussten sich die Mädchen und Buben unterziehen – wie die Großen der Branche. Nach der Analyse wurde für jeden der Spieler ein individueller Trainingsplan erstellt. Schwarz: „Natürlich waren alle begeistert, weil das für sie neu war.“ Einen positiven Effekt dieses Winterprogramms erwartet er allerdings erst längerfristig. „Die Mädels und Jungs werden im Frühjahr nicht auf den Platz gehen und gleich alles in Grund und Boden spielen“, sagt er lachend.

Fotos: Fotolia.de, Ralf Schwarz