Eine Prise Satire, bitte!

Eugen Pletsch ist so etwas wie der Urvater der Golf-Blogger. Angefangen hat alles 1998 mit seinen "Golfnotizen". Hunderte von Texte rund um das Golfspiel sind mittlerweile auf seinen Seiten erschienen, dazu echte Beststeller. "Der Weg der weißen Kugel" beispielsweise oder auch "Golf Gaga" und "Achtung Golfer!". Allesamt gewürzt mit der für Pletsch so typischen Prise Satire. Jetzt legt der 64-Jährige nach: Seine "Anmerkungen für Golfreisende" sind anders als seine früheren Bücher. Und doch ist seine Handschrift unverkennbar!

Die Kapitel sind kürzer, die Sätze auch. Es scheint auf den ersten Blick, als wolle Pletsch damit ein Klientel bedienen, das sich mit wenig zufrieden gibt. Leser, die kaum Ansprüche stellen. Doch Vorsicht! Der Autor folgt damit lediglich dem Trend der Zeit. Und der geht eindeutig zu leicht Konsumierbarem - wohlgemerkt mit Inhalt. In diese Kategorie fällt "Anmerkungen für Golfreisende" ohne jeden Zweifel. Ein kleiner Ratgeber, der leichtfüßig daherkommt und doch Intelligenz beim Lesen erfordert. Pletsch sagt: "Es soll ja eher so ein Mitnahmeartikel für Golfreisende sein, die in das Thema Golf vielleicht noch nicht so eingestiegen sind. Wobei man bei den Glossen natürlich schon etwas Hintergrundwissen braucht, um zu verstehen, wen oder was ich darin karikiere."

Kurze, knackige Kolumnen

Viele der kurzen, knackigen Kolumnen im Buch sind in den vergangenen zehn Jahren schon einmal veröffentlicht worden. Nun gibt es quasi den Pletsch'schen Sammelband. Und der ist Pflicht für jeden Golfer, der das Spiel nicht ganz so ernst nimmt und in erster Linie des Spaßes wegen draußen auf der Runde ist. Dieser Gedanke zieht sich denn auch wie ein roter Faden durch das unterhaltsame Büchlein. Pletsch meint im Vorwort: "Nur wer sich entspannt und loslässt, wird sein Golfspiel und seinen Golfurlaub wirklich genießen können!" Bingo! Meine Rede!

 

Es geht bei ihm um "die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Körper und Psyche und die Wirkung des Gemütszustandes auf die Gesundheit" ebenso wie um den "Handicap-Hype" oder das Phänomen des "Übergolft-Seins" - ja, diesen Zustand gibt es tatsächlich. Alles stets brachtet mit einer gesunden Mischung aus Ernst und Augenzwinkern.

Die besten Golfweisheiten

Es gibt, das behaupte ich an dieser Stelle einfach einmal, keinen Golfer auf dieser Welt, der sich nicht in einem der vielen Kapitel in "Anmerkungen für Golfreisende" selbst wiederfindet und darüber schmunzeln muss. Ist mir selbst nicht nur einmal so ergangen. Eigentlich reichen dafür schon die eineinhalb Seiten "Beliebte Golfweisheiten". Meine drei ganz persönlichen Favoriten (Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Erfahrungen sind rein zufälig):

  • Egal wie schlecht Du spielt, es kann noch schlimmer kommen.
  • Ein Golfspiel ist ein Vergleich Deiner Fähigkeiten mit dem Glück Deines Gegners.
  • Ein Ball, den Du bereits aus 50 Metern im Rough liegen siehst, ist niemals Deiner.

Ja, man muss bei der Lektüre auch über sich selbst lachen können. Das ist eigentlich schon die größte Herausforderung. Ansonsten gilt: "Anmerkungen für Golfreisende" ist eben nicht nur für Reisende gedacht, sondern ein netter Begleiter für viele Momente.

 

Oder, um es mit der satirischen Sicht der Dinge zu sagen: Ein netter Zeitvertreib für Zwischendurch, der auf keiner Toilette aller Clubhäuser zwischen Flensburg und dem Brenner fehlen darf! Denn entspannt läuft's eben nicht nur auf dem Golfplatz am besten :)


Anmerkungen für Golfreisende, Eugen Pletsch, 200 Seiten, ISBN: 9783741279454, Ladenpreis: 9,99 Euro, E-Book: 5,99 Euro.


Foto: Stephan Schöttl