Der Golflehrer mit dem Panorama-Klassenzimmer

"Das", sagt Andrew MacDonald, "ist mein Büro". Mit einem Grinsen im Gesicht steht er auf dem Übungsgrün des Golfplatzes Oberallgäu, dreht sich einmal um die eigene Achse und zeigt auf die umliegende Bergwelt. Die unverbaute Aussicht auf die Allgäuer Gipfel, die im Sonnenlicht unterhalb des azurblauen Himmels glänzen, ist beeindruckend. Es gibt mit Sicherheit ungemütlichere Arbeitsplätze. Der 55-Jährige weiß das zu schätzen. "Ich genieße jeden Tag, den ich hier verbringen darf", sagt er.

MacDonald kennt es eigentlich kaum anders. Seit der gebürtige Schotte als Golflehrer vor 32 Jahren nach Deutschland gekommen ist, arbeitet er auf Golfanlagen im Allgäu. Seinen ersten Job bekam er auf der Sonnenalp in Ofterschwang, dann folgten Steibis und Oberstdorf. Seit nunmehr 14 Jahren ist er zurück im Golfresort Sonnenalp-Oberallgäu und unterrichtet er seine Schüler im Panorama-Klassenzimmer des Golfplatzes Oberallgäu, zwischen den beiden Ortschaften Bolsterlang und Fischen.

 

Angefangen hat alles viel früher auf der britischen Insel. "Ich wurde sozusagen mit dem Schläger in der Hand geboren", meint er lachend. Der Großvater arbeitete als Greenkeeper, sein Vater war Assistenztrainer im Tandrige Golfclub in Oxted, südlich von London. Und die Familie wohnte direkt neben dem Platz. In den 1960er Jahren hatten es die MacDonalds sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. "Wir waren die Familie, aus der weltweit die meisten aktiven Golflehrer kamen", erzählt er. Die Karriere war demnach früh vorgezeichnet. "Ich habe im Klubhaus schon als Kleinkind mit den Golfbällen gespielt, als Bub natürlich auch Fußball gut gefunden, mich dann aber trotzdem aufs Golfen konzentriert", berichtet MacDonald. Das erste Mal ging er als Sechsjähriger auf die Runde, schon mit zwölf spielte er Handicap 15 und vier Jahre später verließ er frühzeitig die Schule, um mehr Zeit zum Trainieren zu haben.



Heute beherrscht der 55-Jährige als Golf-Professional nicht nur die Theorie, sondern zählt auch in der Praxis zu den Besten seiner Zunft. "Ich muss ab und zu meinen sportlichen Ehrgeiz ausleben und Turniere spielen", meint MacDonald. In jungen Jahren hatte er es als Profi auf der weltweiten Tour versucht, sich dort aber nicht durchsetzen können. Selbstkritisch sagt er über diese Zeit: "Ich war damals einfach nicht gut genug für diese Herausforderung." Doch er arbeitete weiter akribisch an sich und seinem Spiel - und macht das immer noch fast täglich. "Wenn ich zwischen den Unterrichtsstunden mal eine Pause habe, gehe ich nicht zum Kaffeetrinken auf die Terrasse, sondern auf die Übungsanlage", erklärt er. Das zahlt sich aus.

Seit Jahren die Nummer eins

Die deutsche Golflehrermeisterschaft der Senioren dominiert er mittlerweile seit Jahren, zuletzt hat er sie dreimal hintereinander gewonnen. In diesem Jahr triumphierte MacDonald auch bei der HDI German PGA Seniors Championship, der deutschen Meisterschaft aller Senioren über 50 Jahre. "Etwas Besseres gibt es in Deutschland in dieser Altersklasse nicht zu gewinnen. Ich bin unheimlich glücklich und stolz über diesen Titel, denn ich habe mir damit einen Traum erfüllt", meint er. MacDonalds Golfschüler profitieren von der Erfahrung. "Man muss flexibel sein und auf die jungen und älteren Golfer mit ihren verschiedenen Spielanlagen eingehen können", meint er. Und dann sagt er den Satz, der jeden verzweifelten Golfer beruhigen dürfte: "Wie der perfekte Schwung aussieht, weiß kein Mensch. Auch ich nicht."

Fotos: Stephan Schöttl