Pollenallergie: Wenn das Hobby zur Qual wird

Was war das gestern für ein traumhafter Golftag. Die besten Flightpartner, die man sich vorstellen kann. Sonne satt. Und diese Aussicht über die weiten, bunt blühenden Wiesen hinweg auf die Berge und den nahen See. Und heute? Heute muss ich dafür wieder einmal büßen. Die Augen tränen, die Nase tropft, die Lunge brennt. So eine Pollenallergie kann einem die Lust auf sportliche Aktivitäten im Freien ganz schön vermiesen. Viele Outdoor-Sportler wie zum Beispiel müssen sich vor allem in der ersten Jahreshälfte auf eine besondere Situation einstellen.

Das Immunsystem gerät in Schieflage. Bei bis zu 24 Prozent der Erwachsenen ist laut Experten des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (ADA) schon einmal Heuschnupfen und bei bis zu vier Prozent sogar Asthma festgestellt worden. Das Verzwickte daran: Die Pollenflugsaison dauert mittlerweile fast das ganze Jahr. Zunächst sind Frühblüher wie Birke, Erle oder Haselsträucher schuld, im Mai und Juni kommen Gräserpollen und zum Herbst hin zum Beispiel die Ambrosie. Was letztlich ursächlich für die jeweiligen Beschwerden ist, lässt sich zum Teil zeitlich recht eindeutig eingrenzen. Manchmal ist es aber auch schwierig, das herauszufinden. Die Symptome sind ja meistens ähnlich.

Allergiker ist man nicht von Geburt an

Die Zahl der Allergiker, sagt Professor Dr. Ludger Klimek, habe sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Er ist Präsident des ADA und am Allergiezentrum in Wiesbaden tätig. Dort haben sich die Mediziner unter anderem speziell mit der Situation der Golfer beschäftigt und die Sportler für eine entsprechende Studie untersucht. Er erklärt: „Sportler atmen aufgrund der körperlichen Belastung tiefer und häufiger ein. Sie sind der Pollenbelastung dadurch besonders stark ausgesetzt. Da die Pollen allergieauslösender Pflanzen nur ein- bis sechs hundertstel Millimeter groß sind, gelangen sie beim Einatmen nicht nur in die Nase, sondern bis in die Bronchien.“ Schon 20 Pollen pro Kubikmeter Luft können bei Allergikern Beschwerden verursachen. Zum Vergleich: Eine Blütendolde weitverbreiteter Gräser setzt zwei bis fünf Millionen Pollen frei. Ein einzelnes Birkenkätzchen lässt sogar über fünf Millionen Pollenkörner fliegen. Klimek sagt: „Wichtig ist, dass Allergiker in der Pollenzeit den Pollenkontakt meiden. Also etwa die Fenster geschlossen halten oder im Auto darauf achten, dass spezielle Innenfilter die Konzentration der Pollen in der Luft reduzieren.“ Für aktive Golfer klingt das nach einem schlechten Witz. Es ist nahezu unmöglich, über den Platz zu gehen und sich gleichzeitig ausreichend zu schützen. Der Tipp des Mediziners: „Reisen Sie den Pollen davon: In Hochgebirgsregionen und an den Küsten von Nordsee und Atlantik ist auch im Frühjahr Golfen fast ohne Pollenbelastung möglich.“

 

Alex Cejka: Voll erwischt

Was sich für den Hobbygolfer, der ein, zwei Mal pro Woche mit Freunden oder dem Partner den Schläger schwingt, durchaus praktikabel anhört, ist für die Spieler auf den Profitouren freilich nicht so einfach umzusetzen. Und auch dort hat es in der Vergangenheit immer wieder prominente Allergie-Opfer gegeben. Alexander Cejka zum Beispiel. Der Deutsche war schon mehrfach gezwungen, aus Turnieren auszusteigen, da er Atemprobleme und Juckreiz nicht in den Griff bekam. Für Cejka war die Allergie daher fast existenzbedrohend. Er bekam auf dem Platz Ausschlag am ganzen Körper, die Handgelenke schwollen an.

 

Doch was passiert da eigentlich mit dem Körper, wenn die Pollen fliegen? Professor Dr. Ludger Klimek versucht es vereinfacht zu erklären: „Es ist wohl so, dass unser Immunsystem in gewisser Weise unterfordert wird und daher auf dumme Gedanken kommt.“ Sprich: Kinder von Müttern, die auf dem Land leben und deshalb häufiger mit immunstimulierenden Substanzen in Kuhställen in Berührung kommen, erkranken wesentlich seltener an Allergien. Bei Stadtkindern steigt indes die Zahl der Allergiker stetig an. Schon in der Schwangerschaft und den ersten Lebensmonaten werde das Immunsystem der Kinder geprägt. „Werden hier falsche Weichen gestellt, kann es schon bald zu ersten Symptomen kommen. Etwa Hautekzemen und Atemprobleme“, sagt der Arzt. Das heißt aber nicht automatisch, dass  die Beschwerden schon von klein auf auftreten. Allergologen erzählen oft von Patienten, die mit 70 Jahren zum ersten Mal Heuschnupfen haben.

 

Die besten Tipps der Mediziner

Ganz egal, wie und in welcher Gegend es einen erwischt, die Therapiemöglichkeiten sind mittlerweile vielseitig: Sie reichen von antiallergischen Tabletten, den sogenannten Antihistaminika, über Nasensprays und Augentropfen bis hin zu alternativen Heilverfahren wie der Akupunktur. Der Experte rät langfristig zur Allergie-Impfung, der Hyposensibilisierung. Und es gibt Tipps, die man als allergiegeplagter Freizeitsportler ganz einfach selbst umsetzen kann. Denn die Pollenbelastung schwankt je nach Uhrzeit und Umgebung. In der Stadt ist die Belastung abends am stärksten, auf dem Land morgens zwischen 5 und 8 Uhr. „Die beste Zeit zum Golfen in der Pollenflugzeit ist daher in der Stadt morgens, auf dem Land später abends“, erläutert Klmek. Warmes und trockenes Wetter begünstigt den Pollenflug. Regen dagegen wäscht einen Teil der Pollen aus der Luft, daher ist die Pollenbelastung nach Regengüssen geringer. Und er sagt: „Lassen Sie die Pollen nach dem Golfen draußen: Möglichst vor dem Schlafengehen die Pollen aus Ihren Haaren spülen und die Golfkleidung in einem separaten Raum außerhalb des Schlafzimmers ablegen.“

 

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