Fitting: Was nicht passt, wird passend gemacht

Golfverrückt war Marco Burger schon als Siebenjähriger. Während sich andere nachmittags auf dem Bolzplatz austobten, ging es für den Allgäuer auf die Driving Range oder über den Platz. Burger war gerade einmal 16 Jahre jung, als er im  Keller zum ersten Mal selbst am Equipment zu tüfteln begann. Am Driver schrauben, mit dem Loft experimentieren, neue Griffe aufziehen. Heute macht er das professionell. Aus Freunden wurden im Jahr 2009 Geschäftspartner, wenig später war Hole-in-One-Fitting (HiO) geboren.  Ein Besuch im Fitting-Center in Eichenau bei München.

Klein und unscheinbar sieht die HiO-Zentrale zunächst aus. Ein Bürotrakt im zweiten Stock eines Betriebsgebäudes. Doch hier ist auf den zweiten Blick jede Menge Golf-High-Tech zuhause. Eine Werkstatt, ein Büro, zahlreiche Analyse-Geräte, ein Golfsimulator. Technik, die heutzutage unabdingbar ist, denn beim Fitting von Golf-Equipment geht es um Millimeter. Burger sagt: "Unser Ziel ist es, den Golfmarkt etwas aufzumischen." Das scheint gut zu funktionieren. Burger ist Plus-Handicapper und Teil des Olchinger Bundesliga-Teams, er war zwei Jahre bei Taylor Made in Hezogenaurach und hat dort bereits verschiedene Profi-Spieler gefittet. Durch ihr Engagement im Analysebereich, dank ihrer Erfahrung in puncto Biomechanik und Materialentwicklung wurden die Männer von HiO-Fitting in den Jahren 2014 und 2015 zum "Clubfitter of the year" gewählt. Heute besteht das Team aus Burger selbst, Benny Pfister, Thomas Weiler, Patrick Heinisch und Dr. Matija Burger. Für jede Sparte gibt es mindestens einen Spezialisten - vom Ingenieur über den Sportwissenschaftler bis hin zum Designer.

Dabei hat doch alles gerade erst angefangen. Marco Burger erinnert sich gerne an die ersten Monate. Los ging es während des Studiums in München mit einer Rundumbetreuung für Golfmannschaften. Marco Burger, Freund und Studienkollege Benny Pfister, Aurel Stenzel und Christoph von Oldershausen unterstützten die Teams in Sachen Technik, Material und Athletik. "Wir haben dabei gemerkt, dass die Schlägersparte am besten läuft", erzählt Burger. Die logische Konsequenz: Dieser Bereich wurde intensiviert. 2014 hat die Truppe sogar den ersten eigenen Putter auf den Markt gebracht: den Hopper. Der hat zwar mit rund 500 Euro einen recht stolzen Preis, den Praxistest hat er in der Bundesliga aber schon bestanden. Unter anderem sind Loft- und Liewinkel flexibel einstellbar sowie Farben, Gewichte und Insert veränderbar - ein richtiger Custom Putter made in Germany also. Kommendes Jahr soll schon ein zweites Modell für rund 250 Euro folgen.

Eine App als Herzstück

Zum Herzstück der tagtäglichen Arbeit wurde eine App. Sie soll vor allem Golf-Pros die Arbeit mit ihren Schülern erleichtern. "Es hat damit begonnen, dass wir von einigen Pros immer wieder Zettel mit Daten ihrer Schüler zugesteckt bekommen haben. Mit der Bitte, anhand dieser Daten einen Schläger zu fitten. Ein guter Ansatz. Denn ein Pro kennt seinen Schüler sehr gut", sagt Burger weiter. Durch geeignete Fragen der kostenlosen HiO-App werden nun zunächst Stärken und Schwächen des Spielers herausgestellt. Anschließend lässt sich anhand der Daten ein entsprechendes Profil analysieren, die App spuckt quasi eine individuelle Kaufempfehlung aus. Vom Schlägerkopf bis zum richtigen Griff. "Bestellt werden kann direkt über dir App und schon 14 Tage später kommt die Ware direkt beim Kunden an. Der Pro hat nach der Bestellung keinerlei Arbeit mehr damit, bekommt aber natürlich eine Provision", erklärt Burger.


Einblick in die heiligen Fitting-Hallen

Fotos: Hio Fitting


Bewegung am Fitting-Markt

"Fitting ist nicht nur etwas für bessere Spieler", betont Burger. Die Sparte boomt trotz der Schwierigkeiten, in denen die Equipmentsparte seit einiger Zeit steckt. 25 Prozent der Spielstärke, glaubt er, mache gutes Material aus. Dennoch ersetze ein Fitting natürlich nicht den Besuch beim Pro. "Ich kann einen Schläger schon an den jeweiligen Schwung anpassen. Aber wenn ich beim Fitting zu große Baustellen entdecke, schicke ich den Kunden selbstverständlich erst einmal zu seinem Trainer", sagt er.

Der Vergleich von angepassten zu alten Schlägern legt den Grundstein des Fittings. Mit modernsten Kamerasystemen lassen sich die beim Treffermoment relevanten Faktoren aufzeichnen und anschließend mit den Schwungmerkmalen interpretieren. Die Schlägerlänge zum Beispiel ist nur einer von rund 25 Parametern, die bei einem Golfschläger verändert werden können. Ziel ist es, anhand der verschiedenen Ballflugdaten wie Geschwindigkeit, Spin-Rate oder Abflugwinkel den optimalen Schläger herauszufinden. HiO legt dabei besonders viel Wert auf das Schlaggefühl, die Wiederholbarkeit und letztlich die Schlagweite. Um das maximale Potenzial aus jedem Spielertyp zu schöpfen, gehören statische Körpervermessungen neben der Bestimmung von Schlägerlänge, Schlägerwinkel und Griff sowie den dynamischen Daten zu den Basics der Arbeit am Launch-Monitor. 

Auffällige Farben als besonderes Merkmal

50 Euro kostet eine Fitting-Stunde im Eichenauer High-Tech-Dachgeschoss. Sie wird aber beim Kauf eines neuen Satzes nicht berechnet. Eisenschlägern geht es ebenso an den Kragen wie Wedges, Hölzern und Puttern. Kommt man mit dem kompletten Set zu HiO, sollte man rund zwei Stunden Zeit einplanen.

 

Die bekannten Marken sucht man im Warenkorb bei Hole-in-one-Fitting allerdings vergeblich. Über ein Jahr lang haben die jungen Männer mithilfe von Burgers Bruder Matija, der als Maschinenbauer ein Experte in Sachen Werkstoffkunde ist, alle möglichen Schläger bestelt und analysiert. So hat sich nach und nach das Produktpotfolio ergeben. Über 25 verschiedene Hersteller führt HiO inzwischen. Unter anderem japanische Produkte, die qualitativ hoch sind, zugleich aber auch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten. Burger: "Wir können jede Preisklasse bedienen." Das Unternehmen ermöglicht aber nicht nur in der Funktion individuell angepasste Schläger, auch beim Design kann der Kunde aktiv mitentscheiden. Auch auf dem Fitting-Markt gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Namen und Firmenlogos können beispielsweise auf den Schaft gelasert werden. Ein besonderes Markenzeichen von HiO ist aber die Farbauswahl für den Griff. Burger, Pfister & Co. stehen auf leuchtende Signalfarben. Neongelb, Pink, Rosa, Grün. "Etwas Ausgeflipptes eben. Damit wollen wir auch zeigen, dass Golf jung und trendy ist", sagt Burger. Schläger von der Stange gibt es in ihrer Werkstatt nicht.