Auf den Spuren des Wasserdoktors

Die Bewegung spielt in der Kneipp‘schen Lehre eine tragende Rolle. „Wenn eine Maschine lange der Witterung ausgesetzt ist und nicht verwandt wird, so wird sie bald ihre Dienste versagen, sie wird zuletzt gebrechlich werden und zerfallen, ohne dass man sie gebrauchen kann. Gerade so ergeht es dem Körper“, sagte Kneipp. Er empfahl einen harmonischen Ausgleich zwischen körperlicher und geistiger Bewegung. Und da kommt der Golfsport ins Spiel.

Wer im bekanntesten Kneipp-Kurort der Welt, im beschaulichen Bad Wörishofen im Unterallgäu, unterwegs ist, der kommt am Wasserdoktor nicht vorbei. Überall ist er präsent. Selbst auf dem Golfplatz. Auf dem Weg zwischen Club-Sekretariat und erstem Abschlag zum Beispiel kommt man gleich an zwei Wasserbecken vorbei. Das eine ist freilich nichts besonderes. Eine Art Waschbecken für die Schläger wie man es auf jeder Golfanlage findet. Das andere hingegen dürfte einzigartig sein: ein Kneippbecken für das kalte Armbad. Ein solches gibt es auf der Runde noch ein zweites Mal. Quasi zum Auffrischen nach neun Löchern.

Eigentlich ein Muss für jeden Golfer, der auf eine erfolgreiche Runde aus ist. Denn dieses kalte Bad für die Arme wird unter Kneipp-Experten auch als "gesunde Tasse Kaffee" bezeichnet. Ein Heilbad, das an-, aber nicht aufregt. Die Wirkung auf den Organismus ist unbestritten. Unter anderem werden die Blutzirkulation in den Armen und die Durchblutung des Herzmuskels gefördert, bei Abgeschlagenheit und Müdigkeit ist es die Extra-Portion Erfrischung.


Sebastian Kneipp ist auch im Logo des Golfclubs Bad Wörishofen verewigt. Mit dem Symbol der Gießkanne, die man früher für die heilenden Wassergüsse gebraucht hat. Heutzutage nimmt dafür in den meisten Fällen einen Wasserschlauch. Als bisher einziger Golfclub in Deutschland wurden sie in Bad Wörishofen mit dem Gütesiegel des Kneipp-Bundes zertifiziert. Dazu trägt auch die wunderbare 18-Loch-Anlage, eine Art Parkland-Course, bei. Ein Platz, der auf den ersten Blick einfach scheint, aber eigentlich ganz schön viele Tücken hat. Von den weißen Champion-Abschlägen beispielsweise ist der Platz über 6200 Meter lang. Da braucht es schon ein sicheres langes Spiel. Und einiges an Präzision. Denn manchmal, so kommt es einem vor, sieht man vor lauter Wald die Bäume nicht. Davon gibt es reichlich. Sie machen den besonderen Reiz dieses Platzes aus. Alter Baumbestand auf der einen Seite, der glitzernde Wertach-Stausee auf der anderen. 

Dazu kommen gepflegte und meistens vergleichsweise schnelle Grüns sowie zahlreiche wachsame Bunker rundherum. Das macht das Spiel nicht leichter, die Runde aber auch abwechslungsreich. Alles in allem ist der Platz recht flach und daher wirklich für jede Alters- und Spielklasse geeignet. Eine Besonderheit gibt es noch: die goldenen Abschläge. Die wurden extra für die Generation 80+ eingeführt. Ein paar ehrgeizige und fitte Golf-Senioren, die zwar nicht mehr von den weißen und gelben Kugeln abschlagen können und wollen, aber eben auch nicht von den roten Damenabschlägen. Gold ist demnach mittendrin.

Noch ein Allgäuer Kneipp-Kurort

Ein weiterer Kneipp-Kurort mit Golfplatz im Allgäu befindet sich mit dem Markt Ottobeuren gut eine halbe Stunde westlich von Bad Wörishofen. Die beiden Klubs verbindet seit Jahren auch sportlich die Kneipp'sche Lehre. Denn abwechselnd veranstalten sie das "Sebastian-Kneipp-Golfturnier" für ihre Mitglieder und Kurgäste. Die Anlage bei Ottobeuren ist im Vergleich zu der in Bad Wörishofen ein bisschen hügeliger, insgesamt aber immer noch recht angenehm zu gehen. Anfangs grasten auf den Wiesen rund um das Hofgut Boschach noch Kühe, bis das rund 55 Hektar große Gelände im Herbst 1985 bespielbar war. Damals als größer Platz seiner Art in Bayern. Denn neben dem 18-Loch-Kurs entstanden damals noch sechs Übungsbahnen und 24 Löcher waren zu dieser Zeit einmalig im Freistaat.

Der Platz des Allgäuer Golf- und Landclubs Ottobeuren ist heute noch genauso angelegt wie er vor 30 Jahren geplant und gebaut worden war. Nur die Natur selbst hat die Anlage verändert. Dort, wo es früher einmal freie Sicht auf das Grün gab, kommen inzwischen großgewachsene Bäume und enge Schneisen zwischen Sträuchern hindurch ins Spiel. Vom gelben Herren-Abschlag spielt sich der Platz mit einer Länge von knapp über 6000 Metern vergleichsweise lang. Neben zahlreichen Wasserhindernissen gibt es auch etliche gut platzierte Bunker. Und, um auf die fünf Säulen der Lehre Kneipps zurückzukommen, auch ein tolles Panorama für die "Innere Ordnung". Zur Ruhe kommen und dabei zum Beispiel den Blick auf die Ottobeurer Benediktinerabtei, eine der schönsten Barockkirchen Bayerns, genießen. 

Übrigens dürfte sich Sebastian Kneipp auch über jedes kühle Getränk, jedes gemeinsamen Abendessen nach der Runde freuen. Denn Genuss und das Wohlfühlen im eigenen Körper stehen in seiner Lehre an oberster Stelle.

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Kommentare: 1
  • #1

    Feneberg Werner (Freitag, 09 Oktober 2015 20:11)

    Hallo Stephan, wie immer ein sehr interessanter Bericht.
    Weiter so.