"Es spielt sich sehr viel im Kopf ab"

242 Meter ist Michael Hayböck in diesem Jahr schon geflogen. In Planica hat der österreichische Skispringer diese Weite geschafft. Fast zehn Sekunden Adrenalin pur. In den Sommermonaten sucht der 24-Jährige die Abwechslung auf dem Golfplatz. Auf der Runde geht es zwar weniger schweißtreibend, aber genauso hochkonzentriert zu. Im Alpengolfer-Interview erzählt Hayböck, Zweiter der Vierschanzen-Tournee 2014/2015, von Gemeinsamkeiten der beiden Sportarten.

Jede Menge Adrenalin auf der Schanze, viel Ruhe auf dem Golfplatz. Haben Skispringen und Golfen am Ende doch mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick erwartet?

Hayböck: Ja, das stimmt. Auf den ersten Blick können diese beiden Sportarten eigentlich nichts gemeinsam haben. Da es für mich eine Ausgleichssportart ist, vergleiche ich sie für mich persönlich auch sehr selten. Aber es ist auf jeden Fall so, dass sich sowohl im Golfen als auch im Skispringen sehr viel im Kopf abspielt. Es kommt immer auf einen guten Rhythmus und eine gewisse Harmonie an.

 

Was bedeutet eine 18-Loch-Runde mit Freunden für Dich im oft hektischen Alltag eines Profisportlers?

Hayböck: Für mich bedeutet es in erster Linie Entspannung, aber auch jede Menge Spaß. Ich genieße jede Runde, die ich spiele, sehr.

 

Kannst Du Dich noch an Deine ersten Versuche mit Schläger und Ball erinnern?

Hayböck: Ja. Das war, als ich noch ins Skigymnasium in Stams gegangen bin. Also vor etwa acht Jahren. Dort haben wir (meine damalige Trainingsgruppe) die Platzreife gemacht. Ich hatte eigentlich sofort sehr viel Spaß am Golfen, wobei am Anfang natürlich die vielen Fehlversuche eine Herausforderung für Geist und Körper sind (lacht). Umso mehr freust du dich dann über jeden Ball, der tatsächlich so ins Fliegen kommt, wie du das willst!

Als aktiver Sportler kennt man das: Da wird man auf der Runde plötzlich doch wieder vom Ehrgeiz eingeholt. Ist Golf für Dich bloße Entspannung oder geht´s ab und zu auch ziemlich sportlich zu?

Hayböck: Im Vordergrund sollte natürlich die Entspannung stehen. Aber es ist ja logisch, dass dich gerade als Spitzensportler öfter der Ehrgeiz packt. Vor allem, wenn ich dann gegen meine Brüder spiele, will ich natürlich nicht die "Ehre" abgeben. Aber ich versuche normalerweise schon immer, mich nicht zu viel zu ärgern, wenn einmal was schief geht, oder ein Schlag im Wasser landet. Soll ja Spaß machen, das Golfen.

 

Um was wird denn im Duell zwischen Kumpels bei Dir gezockt?

Hayböck: Es ist eigentlich ganz selten, dass es einmal um mehr geht als einen Handschlag. Eben ja auch in der Hinsicht, dass ich in Ruhe, ohne Druck und entspannt die 18 Löcher gehen kann.

 

Was war das Teuerste, was Du je nach einer verlorenen Golf-Wette bezahlen musstest?

Hayböck: Eine Pizza.

 

Gerade in Österreich gibt es jede Menge wunderbare Golfplätze. Welcher ist denn Dein absoluter Hot-Spot?

Hayböck: Mein absoluter Hot-Spot in Österreich ist der GC Stärk-Ansfelden bei Linz, mein Heimatclub. Ich kenne den Platz zwar sehr gut, aber er bleibt eine super Herausforderung. Dort lerne ich auch meist wieder mal neue Gesichter kennen, mit denen es immer jede Menge Spaß macht, eine Runde zu spielen.

Fotos: Jump and Reach