Die Golf-Nomaden

Foto: Heinz Dietz
Foto: Heinz Dietz

Das typische Klischee für einen Golfurlaub: Prosecco und Lachsbrötchen auf der sonnengefluteten Terrasse des Luxushotels zum Frühstück und nach der 18-Loch-Runde zur Entspannung in die Sauna des großzügigen Wellness-Bereichs. Heinz Dietz kennt den Gegenentwurf: Mit dem Wohnmobil eine Woche quer durch die Republik unterwegs, von Golfplatz zu Golfplatz. Stoppen und spielen, wo es einem gerade Spaß macht. Wohnen und schlafen auf kleinem Raum – und abends eine Grillrunde auf Campingstühlen.

„Das Schöne ist, dass wir auf diese Weise unser Zuhause immer dabei haben“, sagt Dietz. Nicht nur in Deutschland war er bereits mit Golfgepäck und mobilem Heim unterwegs, etwa auch in Luxemburg oder drei Wochen lang quer durch Schottland.

 

Vor neun Jahren war er zum ersten Mal mit Freunden im kleinen Kreis mit dem Wohnmobil unterwegs. Mittlerweile veranstaltet er mit dem Promobil-Golfcup eine jährliche Golfsafari. Vier Tage, vier Golfplätze, vier Turniere. Waren es anfangs knapp 60 Teilnehmer, sind inzwischen über 120 dabei. Immer mehr Golfer kommen auf den Geschmack der großen Freiheit mit dem Wohnmobil.

Infrastruktur an den Golfplätzen fehlt oft noch

Foto: Heinz Dietz
Foto: Heinz Dietz

Die Golfclubs selbst reagieren darauf noch unterschiedlich. „Man muss die Clubs schon intensiv für dieses Thema sensibilisieren“, sagt Dietz. Richtige Infrastrukturen wie auf einem Campingplatz gibt es noch kaum. Nur vereinzelt haben die Golfplätze solche Bedingungen samt Stellplätzen, Strom- und Wasseranschluss geschaffen. „Inzwischen braucht man das aber gar nicht mehr zwingend. Die Wohnmobile der heutigen Zeit sind fast autark, haben beispielsweise Solarplatten oder Elektrobatterien an Bord“, erklärt Dietz. Wichtig sei lediglich, dass man als campender Golfer die Clubstrukturen nutzen darf. Sprich: Umkleidekabinen, sanitäre Anlagen und die Gastronomie. Dietz glaubt: „Für die Golfclubs sind das ja auch willkommene Zusatzeinnahmen, die sie ohne großen Aufwand bekommen.“

Das unterstreicht Jens Bernitzky, Inhaber einer Agentur zur Förderung des Golftourismus und Schöpfer der Marke „Deutsche Golfstraße“. Aus Gesprächen mit einigen seiner Kunden weiß er: „Die Clubs beschäftigen sich auch aus wirtschaftlicher Not heraus mehr und mehr dem Thema Campen auf dem Golfplatz. Daher lassen es die meisten Anlagen auch zu, dass Wohnmobile für ein oder zwei Nächte auf dem Parkplatz des Clubs bleiben.“ Teilweise verlangen die Plätze eine Stellgebühr (in der Regel zwischen zehn und 15 Euro pro Nacht), teilweise wird der Stellplatz sogar kostenfrei zur Verfügung gestellt. Gerade für ländlich gelegene Golfclubs, die beispielsweise nicht über diverse Partnerhotels in der näheren Umgebung verfügen, könne eine aktive Bewerbung eines derartigen Angebots vorteilhaft sein. Dass es unter den Golfspielern zahlreiche Reisende mit Wohnmobilen gibt, zeigt unter anderem das Beispiel Bad Griesbach. „Der dortige Campingplatz hat mir gegenüber vor ein paar Jahren selbst bekundet, dass er während der Hauptsaison den Anteil der Golfspieler unter seinen Gästen auf bis zu 20 Prozent schätzt“, erklärt Bernitzky. Vor allem Gäste aus den Niederlanden und Skandinavien bringen häufig ihr Golfgepäck mit, um in Deutschland einen kombinierten Golf- und Campingurlaub zu verbringen.

Drei Tipps für Wohnmobil-Rookies

  • Die Reiseroute sollte im Voraus zumindest grob geplant werden. Welche Golfplätze kommen infrage? Darf dort auf dem Parkplatz campiert werden? Wann ist der Platz möglicherweise für Turniere gesperrt? Hat die Clubgastronomie überhaupt geöffnet? Im Voraus sollte daher unbedingt Kontakt mit den Clubs aufgenommen werden. Dann kann man sich eine Liste mit möglichen Stopps erstellen.
  • Es muss nicht immer das eigene Wohnmobil sein. Heinz Dietz rät sogar zum Miet-Mobil. So erhalte man bei seriösen Vermietern stets die modernsten Modelle. Für den Mietpreis sollte man pro Woche mit insgesamt rund 600 bis 700 Euro kalkulieren. Für ein erstes Schnuppern eignet sich aber auch schon ein verlängertes Wochenende.
  • Für den Anfang sollten sich Camping-Neulinge lieber mit kleineren Modellen begnügen, die leicht zu manövrieren sind. Bei vielen Anbietern muss man zudem bei der Anmeldung mindestens 21, bei manchen sogar 25 Jahre alt sein und über ein Jahr Fahrpraxis verfügen.