Golf als Reha nach der Reha

Seit über 50 Jahren spielt Klaus Spreitler Golf. 1963, daran erinnert sich der Allgäuer noch genau, ist er zum ersten Mal auf den Platz gegangen. Seitdem hat ihn das Spiel mit der kleinen weißen Kugel derart in den Bann gezogen, dass er selbst nach einem schweren gesundheitlichen Rückschlag nicht ans Aufhören denkt. Im Juli des vergangenen Jahres ist er mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen.

Der Vollblut-Sportler wurde jäh ausgebremst: „Bis Ende des Jahres habe ich außer Krankengymnastik unter ärztlicher Überwachung nichts gemacht”, erzählt er. Seit Januar schwingt er wieder den Golfschläger. Wenn auch erst einmal langsamer. Denn Golf ist für ihn quasi die Reha nach der Reha. Eine sanfte Therapie, die unter anderem von Golftrainer Michael Muschler und Gesundheitstrainer Robert Beckmann in Kempten im Allgäu angeboten wird. Beratend unterstützt werden die beiden dabei von einer echten Größe auf diesem Gebiet: Dr. Martin Stauch, Internist und Begründer der sportmedizinischen Abteilung des Landes Baden-Württemberg an der Universität Ulm, gibt sein Wissen an Muschler und Beckmann weiter.

Auch für Nicht-Golfer als Therapie geeignet

„Das Golfspielen hat mir das Gleichgewicht und die Standfestigkeit zurückgegeben”, sagt Klaus Spreitler nach einer weiteren Übungseinheit. Der therapeutische Nutzen des Golfsports sei immens, erklärt Beckmann. Das Training, sagt er, sei deshalb für Wiedereinsteiger und Nicht-Golfer gleichermaßen geeignet – wenn sie denn die Zustimmung eines Arztes vorlegen. „Golf ist eine Sportart, die komplexe Handlungen erfordert“, meint auch Dr. Martin Hecht, Ärztlicher Direktor der Neurologie am Kaufbeurer Bezirkskrankenhaus. Eine Einrichtung, an der es seit einigen Jahren auch eine spezielle Schlaganfalleinheit, eine sogenannte Stroke Unit, gibt. Es gehe beim Golf um Kraft, aber auch um Ausdauer, Gleichgewicht und Koordination sowie die geistige Schlagplanung. „Allerdings müssen die Patienten bereits wieder eine gewisse motorische, koordinative und geistige Kompetenz erreicht haben“, ergänzt Hecht.

In den Therapiestunden im Golf-Trainingscenter geht es zu Beginn in erster Linie darum, die Motorik zu schulen. Dazu wird zunächst geputtet, also versucht, den Ball aus kurzen Entfernungen ins Loch zu spielen. „Durch das leichte Golftraining werden beispielsweise Haptik und Hand-Augen-Koordination verbessert sowie die Konzentrationsfähigkeit gestärkt”, sagt Beckmann. Wichtig sei es auch, die Intensität niedrig zu halten und den Patienten nicht zu überfordern. Einmal pro Woche 40 Minuten sind daher für die jeweiligen Übungseinheiten vorgesehen. 20 Minuten leichtes Fitnesstraining, 20 Minuten golfspezifische Übungen. Spreitler kommt gerne. Und er merkt Fortschritte: „Ich bin mir sicher, dass ich schon wieder auf die Runde könnte”, sagt er. Früher hat er Basketball, Volleyball oder Badminton gespielt. Heute, meint Spreitler, sei Golf der einzige Sport, den er noch aktiv ausüben könne. „Weil es eine Sportart ist, die sanft ist. Man ist viel in Bewegung und ständig an der frischen Luft”, erzählt er. Zudem werde das Herz-Kreislauf-System in Schwung gehalten, aber nicht zu sehr beansprucht.

Verlorene Kapazitäten reaktivieren

Michael Muschler (rechts) in der Golf-Arena. (Foto: Schöttl)
Michael Muschler (rechts) in der Golf-Arena. (Foto: Schöttl)

Wie als Therapie nach einem Herzinfarkt eignet sich der Golfsport auch für Schlaganfall-Patienten bestens. Das hat eine Studie der Universität Regensburg ergeben. Durch die kognitiven und koordinativen Aspekte des Ballspiels, heißt es, werde das Gehirn dabei unterstützt, verlorene Kapazitäten zu reaktivieren. „In dieser Studie wurden Patienten angesprochen, die die üblichen Rehamaßnahmen bereits absolviert hatten und sich die Anforderungen des Golfspiels auch zutrauten. Einer meiner Patienten passt gut zu diesem Ergebnis. Er, Anfang 70, war begeisterter Golfer und wollte nach dem Schlaganfall wieder rasch spielen. Er tat dies anfangs noch sehr wackelig, später immer besser und hat sich sehr gut verbessert“, erklärt Hecht. Die Übungen, meint Golf-Teaching-Professional Michael Muschler, könne man individuell anpassen und daheim selbst fortführen. So mancher habe den Reha-Sport sogar bereits als Einstieg in den Golfsport genutzt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Golf for Heart (Montag, 18 Januar 2016 20:54)

    Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Nach einem Schlaganfall und zwei Herzinfarten der beste Sport für mich als Ergänzung zum Kardiotraining!

    Übrigens, kaum jemand weiß, daß Golf darüber hinaus eine sehr erfolgreiche Therapiemaßnahme bei auftretenden Depressionen sein kann, die oftmals nach schweren gesundheitlichen Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs bei Menschen auftreten können.