Die 100-Prozent-Allgäuer

Normalerweise sind sie hier oben auf fast 1000 Metern am Rande des Weitnauer Tals redselig. Doch manchmal, wenn die Rainalters bei einer Geschäftsbesprechung alle zusammensitzen, schauen sich Seniorchef Alois Rainalter (72) und seine Frau Gerti (68) nachdenklich an. Zu zweit hat das Allgäuer Ehepaar alles angefangen. In den vergangenen Jahren ist der Hanusel-Hof mit seinem Fünf-Sterne-Hotel und der 18-Loch-Golfanlage zum großen Familienbetrieb gewachsen. Die Geschichte des Gehöfts ist schon über 250 Jahre alt. Bereits im Jahr 1741 wurde der Hanusel Hof begründet. 

Als typischer Allgäuer Bauernhof mit Milchviehhaltung. Und das blieb auch die darauffolgenden 230 Jahre so. Bis Alois und Gerti Rainalter die Landwirtschaft 1971 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mussten. Um die Existenz des Hofes für die drei Söhne Wolfram, Frank und Markus zu sichern, wurde der aktive Betrieb in eine Nebenerwerbs-Landwirtschaft umgewandelt. Ein Umstand, der es Mitte der 1980er Jahre im Zuge der Milchquotenregelung schwierig machte. Denn dem Hof wurde aufgrund der fehlenden „aktiven Landwirtschaft” kein Milchschüttungsrecht mehr zugesprochen.

Im Familienrat war schnell klar: Das Kapital der Landschaft muss anderweitig genutzt werden. Eine Damwildzucht stand zur Diskussion. Oder der Anbau von Allgäuer Latschenkiefer. „Die sanft geschwungenen Hügel mit ihrem satten Grün haben uns dann aber inspiriert. Und so wurde die Idee geboren, einen Golfplatz zu betreiben”, erzählt Wolfram Rainalter (47), der älteste der drei Brüder. Inspiriert wurden sie von Soldaten des schottischen Regiments, die zur Ausbildung im Allgäuer Gebirge weilten und mit Golfschlägern über die Wiesen vor dem elterlichen Gästehaus spazierten. Wolfram Rainalter war damals noch Polizist, sein Bruder Frank (43) arbeitete als Zimmermann, Markus, mit 39 Jahren der jüngste, war als Immobilienkaufmann tätig. Doch die drei gaben ihre Jobs auf und widmeten sich der neuen Lebensaufgabe. Zunächst bauten sie in rund eineinhalb Jahren eine Neun-Loch-Golfanlage samt Infrastruktur. Größtenteils in Eigenleistung. 


Vor knapp 20 Jahren wurde die Anlage feierlich eröffnet. Im Jahr 2001 wurde sie auf 18 Löcher ausgebaut, später kam ein stattliches Hotel dazu. Gerade einmal 25 Meter vom ersten Abschlag entfernt. 39 Zimmer gibt es in Hellengerst mittlerweile. Die Aufgaben sind untereinander aufgeteilt: Club-Präsident und Restaurantleiter ist Wolfram Rainalter, Head-Greenkeeper ist Frank Rainalter, Markus Rainalter leitet das Hotel und betreibt den Pro-Shop.

Gäste schätzen das Familiäre

Die drei Brüder Frank (oben), Markus (links) und Wolfram Rainalter. (Foto: Stephan Schöttl)
Die drei Brüder Frank (oben), Markus (links) und Wolfram Rainalter. (Foto: Stephan Schöttl)

Die Gäste, die in den Hanusel-Hof kommen, schätzen dort vor allem das Familiäre. „Man versucht, in allen Bereich traditionell und authentisch zu sein“, sagt Frank Rainalter. Verstellen müssen sie sich dazu nicht. In Tracht wird im Hotel gearbeitet, der hiesige Dialekt wird im Gespräch mit den Besuchern gepflegt, auf den Tisch kommen Bergkäse von nebenan und Wild aus eigener Jagd. Und an Heilig Abend ist das ganze Haus geschlossen. Schon immer. Denn dieser Tag gehört der Familie. Die Bodenständigkeit als Erfolgsrezept. Dabei sehen die drei Brüder ihren Betrieb aus dem Blickwinkel der Gäste, fragen sich mitunter: „Wie würden wir gerne Urlaub machen?“ Die Gäste genießen diese Fürsorge. Beim Wellness, beim Angeln und Jagen mit den Chefs des Hauses oder beim Golfen. Der Platz des Golfclubs Hellengerst-Oberallgäu zählt zu den sportlich anspruchsvolleren. 40 Meter Höhenunterschied sind unter dem Strich zu bewältigen, wobei die Höhenmeter, die während einer Runde durch das viele Auf und Ab zu gehen sind, noch weit mehr sind. Jede Bahn hat ihren eigenen, ganz typischen Namen. „Das hat zum einen mit den Eigenheiten der Natur zu tun und zum anderen mit Begebenheiten aus vergangenen Tagen, als hier noch niemand auch nur im Entferntesten ans Golfen dachte”, sagt Wolfram Rainalter. Golf ist zum Familiensport geworden. Wolfram, Frank und Markus schaffen es aber nur noch selten, gemeinsame Runden zu drehen. Vom eigenen Nachwuchs werden sie schon gehörig unter Druck gesetzt. Kilian, der Sohn von Wolfram Rainalter, ist gerade einmal 16 Jahre jung, hält aber bereits den Platzrekord und setzte sich bei den Clubmeisterschaften selbst gegen die wesentlich ältere und erfahrenere Konkurrenz durch. Auf Wetten auf dem Platz lassen sich der Vater und die beiden Onkel schon lange nicht mehr ein. Es wäre zu aussichtslos.

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