Der Adrenalin-Junkie

Adi Dünßer ist ehemaliger Weltmeister im Skisport, hat seine Karriere jedoch an den Nagel gehängt, um mit Golf sein Geld zu verdienen. Der Adrenalinjunkie, der jahrelang mit über 242 Stundenkilometern bei 100 Prozent Gefälle wie ein Blitz auf Skiern den Berg hinunter gerast ist, suchte nach neuen Herausforderungen. 1996 noch der schnellste Mann der Welt, wechselte der Allgäuer 1998 in die Ausbildung zum Diplom-Golflehrer der PGA of Germany.

Die Ausbildung absolvierte er unter anderem bei Carlo Knauss, dem ehemaligen Golf-Nationaltrainer und heutigen Sky-Moderator. „Ich wollte einen Job, der abwechslungsreich ist, bei dem ich mit Menschen zu tun habe und in der Natur unterwegs bin“, erläutert Dünßer seine Entscheidung. Diese Erwartungen, meint er weiter, hätten sich letztlich auch erfüllt. „Es ist und bleibt eine Herausforderung, meine Kunden zu verbessern – ganz egal, mit welchem Handicap sie zu mir kommen.“ Einziger Nachteil: Während etwa ein Maurer am Ende des Tages tatsächlich ein Ergebnis seiner Arbeit sieht, wisse ein Golf-Pro eben nicht, ob er seinem Gegenüber zu einem besseren Spiel verholfen hat. Dünßer sieht sich dabei gleichermaßen als Trainer wie auch als Lehrer. „Man muss beides sein. Bei einem Anfänger zum Beispiel ist man eher Lehrer, denn der braucht noch sehr viele Informationen“, sagt der 48-Jährige. Je besser der Spieler ist, desto mehr sei man Trainer. Einer, der begleitet und unterstützt. Die Gefahr, zu viel auf den Kunden einreden zu wollen, sei jedoch immer gegenwärtig.


Der komplizierteste Kunde? 


Manchen stört das weniger, den anderen mehr. Dünßer bringt in diesem Zusammenhang das Beispiel der „gefrusteten Ehefrau“ ins Spiel. Die sei nämlich der komplizierteste Kunde, den man sich vorstellen kann. „Sie wird vom Ehemann zum Golfen genötigt, hat aber selbst gar keine Lust darauf. Und während er mit seinen Kumpels auf die Runde geht, wird sie beim Pro geparkt“, erzählt er. In der Schweiz, in Österreich und Italien war er bereits tätig. 2012 kehrte er kurz in seine Heimat zurück, dann zog es ihn wieder in die Ostschweiz nach Arosa. Dort ist er mittlerweile Pro und Clubmanager. Sein Fazit: „In jedem Land haben die Golfer andere Vorstellungen von der Arbeit eines Pros und andere Erwartungen an den Unterricht.“

Ein Golf-Pro werde immer mehr zum Dienstleister. Sechs Tage die Woche, zum Teil zwölf Stunden am Tag. „Vor dem technischen Fortschritt darf man sich deshalb nicht verstecken und muss auch mal etwas Geld investieren“, sagt er. Seine Golfschule arbeitet mit modernen Hilfsmitteln, etwa dem „Track Man“, einem Radar-Messgerät zur Ermittlung der Ballflugdaten, oder dem „Balance Lab“, mit dem die optimale Gewichtsverteilung beim Schwung gemessen werden kann. Man müsse sich ständig neu positionieren. Gerade in dieser Zeit, in welcher sich der Golfsport in einer finanziellen Schieflage befinde. „Das Geld sitzt nicht mehr so locker. Die Zeiten sind auch für uns wirtschaftlich schwierig“, sagt Dünßer. Ein Beispiel: Der Kunde lässt sich vor dem Kauf eines neuen Schlägers ausgiebig vom Pro beraten, sucht sich schließlich aber im Internet das günstigste Angebot.

Adi Dünßer, der schnellste Mann auf Ski


Die Wintermonate, wenn auf den Plätzen nichts zu verdienen ist, nutzen viele Golf-Professionals, um sich weiterzubilden. Der eine gibt Trainerstunden in Portugal, der andere bietet Golfreisen nach Nordafrika an und der nächste besucht ein Seminar in Florida. Dünßer nutzt den Winter größtenteils für Skitouren in den Bergen, lässt die Golfschläger aber auch von November bis März nicht unangetastet in der Ecke stehen: „Man muss immer wieder auch selbst spielen. Es ist wichtig, ein gewisses Niveau zu halten, denn der Kunde will schon sehen, dass ihm der Pro den einen oder anderen Schlag vormachen kann.“

 

Inzwischen ist Dünßer seit 16 Jahren Golf-Professional und sein deutscher Rekord über 242 Stundenkilometer im Speedski hat immer noch Bestand. Golf, sagt er, sei seine Art Gegenentwurf zum Speedski. Auf der einen Seite Adrenalin bis in die Zehenspitzen, auf der anderen die innere Ruhe. In all den Jahren als aktiver Golfer hat er allerdings auch eine Gemeinsamkeit ausfindig gemacht: „Keine der beiden Sportarten ist beherrschbar.“