Mit Siebenmeilenstiefeln

Bei Rory McIlroy, einem der besten Golfer der Welt, begann alles recht früh. Während sein Vater Gerry als Barkeeper im benachbarten Golfclub arbeitete, vertrieb er sich die Zeit auf der Übungsanlage. Schon als Zweijähriger schlug der Nordire den Ball knapp 30 Meter weit, zu Hause chippte er im Keller die kleinen Kugeln in die Waschmaschine. Immer und immer wieder. Bei Kilian Rainalter ging alles fast genauso früh los. 

Schon als Dreijähriger spielte er geduldig mit seinem ersten Plastik-Golfset, ein Jahr später feilte er an seinem Abschlag, bekam vom Großvater den ersten richtigen Schlägersatz geschenkt und noch vor seinem sechsten Geburtstag hat er die Platzreifeprüfung absolviert – und bestanden. Heute ist Rainalter 16 Jahre jung. Eigentlich ein ganz normaler Zehntklässler. Lässig gekleidet, fesche Frisur, immer einen coolen Spruch auf den Lippen. Und doch ist Rainalter anders als seine gleichaltrigen Freunde und Klassenkameraden. 

Den Platzrekord fest in den Händen


Denn während die entweder auf dem Bolzplatz kicken oder zuhause vor der Spielekonsole sitzen, verbringt Kilian Rainalter seine Freizeit auf dem Übungsgelände des Golfclubs Hellengerst, direkt vor der Haustür. „Ich bin eigentlich fast täglich bis zu zwei Stunden auf der Driving Range“, erzählt der Gymnasiast. An die 1000 Bälle werden es wohl sein, die er Woche für Woche schlägt. Das Ergebnis seines Fleißes kann sich sehen lassen: Rainalter spielt als 16-Jähriger bereits ein Dreier-Handicap und zählt damit nicht nur in seiner Altersklasse zu den besten Allgäuern. Doch damit noch nicht genug: Bei den letzten beiden Meisterschaften seines Heimatclubs hat er sogar den wesentlich älteren, aber noch genauso ambitionierten Männern das Fürchten gelehrt und sie in der Gesamtwertung zweimal hinter sich gelassen. Mit einer Runde von 68 Schlägen, die ihm bei der Clubmeisterschaft im vergangenen Jahr gelang, hält der Schüler inzwischen auch noch den Platzrekord in Hellengerst. Mit drei Schlägen unter Par, also dem Richtwert des Platzes (71 Schläge).

Fotos: Stephan Schöttl
Fotos: Stephan Schöttl

Auf die Frage nach dem Rezept seines Erfolgs, antwortet Rainalter abgeklärt: "Man darf die Sache einfach nicht so ernst nehmen. Denn die perfekte Runde gibt es sowieso nicht. Man kann eigentlich immer etwas besser machen." Das mache für ihn auch den Reiz des Golfsports aus. Schließlich sei jede Runde auf dem Platz, jeder Schlag anders. Jeder Tag bringe für ihn als Spieler neue Herausforderungen. "Wenn immer alles gleichgut laufen würde, wäre es bestimmt schnell langweilig", sagt der Schüler. Bei seinen Mitschülern ist es längst bekannt, welchem Hobby Rainalter nachgeht. Wenn er wieder einmal gegen die gängigen Klischees ankämpfen muss, kann es schon einmal sein, dass er die Klassenkameraden nach Hellengerst einlädt. "Oft sagen sie, Golf sei ein Rentnersport. Wenn sie dann aber mal auf unserem bergigen Platz mit mir knapp acht Kilometer unterwegs waren, ist davon keine Rede mehr. Dann habe ich sie vom Gegenteil überzeugt", erzählt der 16-Jährige.


Mit dem Vater um die Wette


Respekt vor der Leistung des Juniors hat mittlerweile auch Papa Wolfram Rainalter. Der ist Präsident des Golfclubs Hellengerst und selbst ein guter Golfer. Manchmal gehen Vater und Sohn auch gemeinsam auf den Platz, um die Wette wird allerdings nicht mehr gespielt. "Ich hab’s jetzt bleiben lassen, nachdem ich die letzten Male als Verlierer immer seine Schläger oder Schuhe putzen musste", erzählt der Vater schmunzelnd. Und während er noch immer auf sein erstes Ass wartet, hat ihm der Filius auch das bereits voraus. Schon als 13-Jähriger hat er die Kugel nämlich bei einer Runde auf dem Golfplatz in Herzogenaurach unter dem Beifall seiner Mitspieler mit einem Schlag eingelocht.

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