101 Löcher: Die Marathon-Männer

Um vier Uhr morgens alleine auf dem Parkplatz des Golfclubs Starnberg, in der Dunkelheit dröhnt laute Heavy-Metal-Musik aus dem Autoradio. Für einen außergewöhnlichen Golftag hat sich Matija Burger eine ebenso außergewöhnliche Vorbereitung ausgewählt. „Außer mir und irgendwelchen Igeln und Füchsen war niemand da“, sagt der 37-Jährige lachend. Gemeinsam mit seinem Kumpel Florian Grill hat er einen Marathon über 101 Löcher gemeistert. Im Lochwettspiel, der Königsdisziplin. Bahn für Bahn, Schlag für Schlag, Mann gegen Mann.

 

Dass er am Ende, nach mehr als 14 Stunden den Vergleich deutlich verliert, ist Burger in diesem Fall gänzlich gleichgültig. „Es war ein geiles Gefühl, es geschafft zu haben. Wir sind erst einmal auf die Terrasse gehumpelt und haben zusammen ein Bierchen getrunken“, erzählt er weiter. Beim Aufwärmen auf der Übungsanlage und auf den ersten Spielbahnen können die beiden den Ball lediglich starten, aber nicht landen sehen. Zu dunkel ist es um diese Zeit noch. An den Abschlägen werden die Gäste daraufhingewiesen, die kuriose Paarung an diesem Tag doch bitte durchspielen zu lassen. Jede Minute zählt, Burger und Grill müssen abends zurück ins Clubhaus, bevor die Sonne wieder untergeht. Und es läuft. Für die ersten 18 Löcher brauchen sie nur knapp zwei Stunden. Burger sagt: „Wir sind zwischendrin aber auch viel über den Platz gejoggt. Wir hatten freie Bahn.“

Die ersten Überholvorgänge

Nach Schuh- und Sockenwechsel geht es weiter. Runde zwei. Wieder legen beide ein ordentliches Tempo vor, müssen den ersten Golfer auf dem Platz überholen. An Loch 13, in diesem Fall ist es bereits Loch 31 für die zwei, zwickt’s bei Burger erstmals in der Wade und im Oberschenkel. Aber er hält durch. Im Frühtau Starnbergs führt Grill mit drei Löchern Vorsprung. Kurze Dusche, Pferdesalbe auf die Beine, frische Socken, kurze Hose und neues T-Shirt. Mehr Pause ist nicht drin, zu eng ist der Zeitplan gestrickt. Es ist halb zehn Uhr am Vormittag, mittlerweile sind viele andere Golfer auf dem Platz unterwegs, sieben Paarungen müssen Burger und Grill allein auf den ersten neun Löchern überholen. Das bremst. „Wir mussten sehr schnell spielen und viel rennen“, erzählt der Memminger. Runde drei, meint er, sei rückblickend die anstrengendste gewesen – das Ende noch längst nicht in Sicht.

Müdigkeit ist fehl am Platz

Mittags ist wenigstens mal kurz Zeit für eine kalte Dusche und erneuten Klamottenwechsel. Eine Erfrischung, die vor allem bei Burger Wirkung zeigt: Er holt auf, nach Runde vier, also bereits 72 Löchern, ist das Duell ausgeglichen. Um kurz nach 15 Uhr geht es für die beiden Marathonmänner in den fünften Umlauf. Sie können moderates Tempo gehen. Burger schwärmt: „Es war so tolles Wetter und schönes Licht auf dem Platz. Wir waren zu diesem Zeitpunkt schon über eine Stunde schneller als wir geplant hatten. Auch meine Beine waren noch okay.“

 

Und sie haben endlich das ersehnte Ziel vor Augen. Nach einer kurzen Erfrischung auf der Terrasse des Clubhauses machen sich Burger und Grill auf den Weg, die letzten elf Löcher zu spielen, abends, kurz vor 18 Uhr. Mittlerweile ist es schon über 15 Stunden her, dass Burgers Wecker geklingelt hat. Doch Müdigkeit ist jetzt fehl am Platz. Die Golfer, die unterwegs sind und die beiden sehen, winken und klatschen. Ein tolles Gefühl. Nach sechs Löchern ist klar: Burger kann das Match nicht mehr gewinnen. Sie haben noch fünf Bahnen vor sich, aber Grill hat schon sechs Löcher Vorsprung. Egal. Es wird trotzdem fertig gespielt. „Ich habe zum Schluss bei jedem Schlag Schmerzen im Rücken gehabt. Aber komischerweise waren genau die letzten Schläge auch meine besten“, erzählt der 37-Jährige lachend. Bahn zehn ist in dieser Runde ihr 100. Loch an diesem Tag. Spontan werden Zigarren angezündet. Ein außerordentlicher Golftag geht auf diese Weise auch außerordentlich zu Ende.

Fotos: Marco und Matija Burger